Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte religiöser Bräuche
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829943-2829947-2833931--47531-2833972- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
165 So spielen auch im Judentum Kerze und Fackel bei Geburt, Hochzeit und Tod eine wichtige Rolle. Nur noch ganz vereinzelt taucht die Vorstellung auf, daß das Licht die Kraft und Bestimmung habe, die Geister abzuwehren. Allein im großen und ganzen ist diese Vor- ,Stellung als Aberglaube überwunden, und das Licht bei Geburt, Hoch- ־zeit und Tod ist aus einem magischen Schutzmittel zu einem stimmungsvollen religiösen Symbol geworden. HL WachnachL , In allen Religionen finden sich im Kultus Reste uralter Bräuche. Noch in der Kaiserzeit, als in Rom jeder halbwegs wohlhabende Haushalt bronzenes und silbernes Gerät hatte, verwendete man beim Opier tönerne Gefäße. Im lesbischen Tempel war noch in späterer Zeit der Gebrauch von Eisen und Bronze untersagt: eine deutliche Erinnerung an die Zeit, in der Eisen und Bronze noch unbekannt waren1. Die gleiche Erscheinung beobachten wir auch im jüdischen Gotteshause, wenn in der Gegenwart noch der Schriftabschnitt aus einer geschriebenen Torarolle verlesen wird. Auf allen Gebieten des Lebens muß das Alte dem Neuen weichen; im religiösen Leben jedoch heiligt der religiöse Inhalt auch die Form und das Alte gilt als ehrwürdig und ist dem Herzen heilig. Zuweilen geschieht es sogar, daß sich im religiösen Leben eine Sitte in ihrer äußeren Form erhält, auch wenn sie ihren Bedeutungsinhalt längst verloren hat. Um den Toten zu besänftigen und freundlieh zu stimmen, wurde bei den heidnischen Völkern in alter Zeit ein Blutopfer dargebracht. Als Ersatz für das Blutopfer kam später die rote Farbe zur Verwendung. Noch im fünfzehnten Jahrhundert war es in Florenz üblich, rote Bahrtücher zu verwenden, die Totenkapelle rot auszuschlagen und den Toten in einen roten Mantel zu kleiden2. Ebenso wurden bei deni Juden des Mittelalters neben weißen auch rote Leichenkleider verwendet3. Die Verwendung der roten Farbe hat bis in die Zeit fortgedauert, in der an die Opferbedeutung des Rots oder überhaupt an das Opfer für den Toten nicht mehr gedacht wurde und der Bedeutungsinhalt der Sitte verloren gegangen war. Religiöse Sitten haben ihre Geschichte wie die Wörter einer lebenden Sprache. Wie diese ihre äußere Form zwar bewahren, aber Sinn und Bedeutung fortdauernd verändern, so ist auch der Bedeutungsinhalt der religiösen Sitten Wandlungen unterworfen, ohne daß sich die äußeren Formen wesentlich andern. Bei allen Völkern wurden die bösen Geister durch Lärmen verscheucht wie durch das Läuten der Glocken bei dem Leichenbegängnisse, durch Trommelschlag bei der Hochzeit und durch das Zerbrechen von 1 Kroll. Alte Tauf ge brauche, VIII. Beiheft zum Archiv für Religions- Wissenschaft, Leipzig 1905, 29. 2 Samter 194. 3 מד,״ריל ה״ שמחות5 מכאן נהנו לעשות תכריכים שהם•סומקיי. Perles, Leichenfeierlichkeiten 13, nach Sabb. 114a lautete der letzte Wunsch R. Jannai’s, nach palästinensischen Quellen (j. Kilajim 32b, Gen. r.c. 100, Tanch. Buber Wajchi) der letzte Wunsch R. Joehanan’s: Meine Kinder, begrabet mich in purpurnen Gewändern, wie sie von jenseits des Meeres eingeführt werden!