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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. Seite 164

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte religiöser Bräuche
Date
1927-01-01
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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164 mit Fackeln entgegen1. Wie der Verfasser des Aruch, berichtet, bestand bei den arabischen Juden im Mittelalter die Sitte, daß dem Hochzeitszuge etwa zehn Stäbe vorangetrageh wurden, an ,deren Spitze ein Gefäß mit brennbarem, während, des Zuges in Brand gesetztem Stoff angebracht war2. In einem Erlasse Peters II. von Sizilien (1338), in dem. den Hauptleuten der Stadt untersagt wurde, die Juden, zu behindern, wenn sie bei Hochzeitsfeierlichkeiten in Aufzügen den Burgplatz passierten, heißt es: es sei nicht,nötig, daß, bei dieser Gelegenheit jeder eine Fackel trage, wenn dies nur der vorausgehende Führer tue3. Bei den singhalesischen Juden wird der Bräutigam in die Synagoge geführt und von dort unter Vorantragung von vier Wachsfackeln in das Haus der Braut von der ganzen Gemeinde zurückgeführt4. In Jerusalem werden ,Braut und Bräutigam auf zwei Stühlen in der Mitte des Zimmers nebeneinandergesetzt, Beide halten in der Hand je eine brennende Fackel, und die Hochzeitsgäste tanzen singend um sie herüm und verlöschen dabei bald die Fackel des Bräutigams und bald die der Braut, wodurch sie jeden von beiden zwingen, die ausgelöschte Fackel an der Fackel des Andern zu entzünden. Unter dem Baldachin, unter dem in Jerusalem das junge Ehepaar während der Hochzeitswoche zu sitzen pflegt, brennt fortdauernd eine Kerze; kein Fremder wagt es, sich unter den Baldachin zu setzen, denn der Platz gilt als heilig5! In vielen Gegenden tragen die Paranymphen, die Braut und Bräutigam unter den Trauhimmel führen, noch in der Gegenwart brennende Kerzen ,,zur Erinnerung an die Gesetzgebung am Sinai, die unter Donner und Blitz und Feuerflammen verkündet worden ist“6. Auch bei dem Tode finden Kerze und Fackel Verwendung. In alter Zeit wurden Lichter und Fackeln bei dem Leichenzuge getragen7; das Gleiche geschieht jetzt in Jerusalem bei der Bestattung ausgezeichneter Gelehrter8. In Mantua wurde, wie Isaak Lampronti berichtet, für den Sterbenden eine Wachskerze in der Form eines siebenarmigen Leuchters verfertigt; sie sollte die Seele des Sterbenden versinnbildlichen und zugleich die Geister von ihm ,fernhalten9. Nach jüdischer Sitte werden auch in der Gegenwart bei jeden! Sterbenden Lichter angezündet. Nach einer vereinzelten Meinung sollen diese Lichter von den! Sterbenden die bösen Geister vertreiben10, nach anderen Erklärungen jedoch sollen sie an die scheidende Seele oder an das ewige Leben mahnen oder die Herrlichkeit der göttlichen Schechina ehren, die in das Sterbegemach eingekehrt ist, um die Seele des Sterbenden in Empfang zu nehmen11. .. 1 Mt. 25r 2 Aruch s. v. לפד. 3 Zunz, Zur Geschichte und Literatur 48. Perles MGWJ 9, 346 f. 4 Perles MGWJ 9, 356. 5 Luncz 18, 6. « 73 טעמי המנהגים a, Nr. 673. 7 Beraeh. 58a. Perles, Leichenfeierlichkeiten im nach biblischen Juden tum 20. 8 Luncz I 13. 9 Pachad Jizchak s. v. .גוסס 66 טעמיהמנחנייס סגa,.Nr. 713, 11 Grunwald, Jahrbuch für jüdische VplkskündeBerlin 1923, 218. .

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