Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte religiöser Bräuche
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
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163 wichtigsten, das sind Geburt, Hochzeit und Tod. Darum spielen hei Geburt,Hochzeit und Tod Kerze und Fackel eine wichtige Rolle, weil ihnen die Kraft zugeschrieben wird, die Dämonengefahr abwehren zu können. In Rom wurde bei der Geburt eines Knaben eine Kerze angezündet, um Mutter und Kind vor den im Dunkeln schwärmenden Dämonen zu schützen. Dem Brautpaare wurden dort Fackeln aus Weißdorn vorangetragen, weil man glaubte, daß der Weißdorn dämonische Einflüsse abzuwehren vermöge. Auf der Dar- Stellung einer Aufbahrung im heidnischen Rom befinden sich neben dem Bette, auf dem der Tote liegt, außer kleinen Räucherpfannen brennende Fackeln1. Ueberail galt das Licht als ein Schutzmittel gegen die Dämonen; überall war der Glaube verbreitet, daß die lichtscheuen Geister, die den Menschen bei Geburt, Hochzeit und Tod bedrohen, vor dem Lichte zurückweichen. Auch im Judentum spielen Kerze und Fackel bei Geburt, Hochzeit und Tod eine wichtige Rolle; allein die Vorstellung von der die Dämonen abwehrenden Kraft des Lichtes ist dort allmählich zurückgedrängt worden. Bei der Geburt und Hochzeit soll das Licht vielmehr die Freude und die festliche Feier erhöhen und bei dem Tode die Seele versinnbildlichen, denn ,,eine Leuchte des Ewigen ist des Menschen Seele". Spr 2027. In der Nacht, die dem Tage der Beschneidung vorangeht, bringen in Jerusalem Freunde und Verwandte in das Haus, in dem die Beschneidung stattfinden soll, eine Oellanape, die dort die ganze Nacht brennt. Bei den sephardischen Juden Jerusalems ist es Sitte, daß die Verwandten des Gevatters, der den Knaben bei den! Beschneidungsakte hält, unter Gesang und Posaunenschall einen mit Blumen bekränzten vielarmigen Leuchter bringen, dessen Lichter während der Beschneidung brennen2. In jedem jüdischen Hause oder Gotteshause, in dem die Beschneidung stattfindet, werden Lichter angezündet, um die Freude zu erhöhen und zugleich an die Worte zu erinnern: ,,denn eine Leuchte ist das Gebot," Spr 623 und ,,bei den Juden war Licht und Freude und Wonne," Esth 8163. In Böhmen trägt der Pate bei der Taufe in einem Arm das Kind, im andern dagegen eine brennende Kerze; ebenso hält es die Mutter bei ihrem ersten Kirchgang4. Wie R, Salomo Duran (1400—1467) berichtet, war es auch in jüdischen Gemeinden Brauch, daß der Vater, wenn er seinen Sohn zum ersteimxale in das Gotteshaus führte, eine Wachskerze für das Gotteshaus mitbrachte5. Kerze und Fackel werden auch bei der jüdischen Hochzeit verwendet. In alter Zeit gingen dem Brautpaare junge Mädchen 1 Samter 67, 71, 72 f,• 77. 2 Luncz, Jerusalem, Wien 1882, I 2. 3 Schihole ha־leket ed. Buber 377. טעמי המנהגים, Lemberg 1896, 60 b, Nr. 641. Manche fordern zwölf Lichter, der Zahl der zwölf Stämme entsprechend; andere dagegen dreizehn Lichter, weil das Wort ״ בריתBund“ im To raabschnitt von der Beschneidung dreizehnmal wiederholt wird. Glassberg זברה ברית לראשרנים Krakau 1892, 230 f. ־ 4 Samter 68, Note 5. 5 Bel Josef zu Tur Orach cbajim 308: כתב בכו של הרש״בק על מקרם שנוהגין לפעם ראשונה שמכנים אדם בנר לבית הכנסת מביא נר שעוה בידר♦ 11*