Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte religiöser Bräuche
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
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162 dem Herakles ein Priester in Frauentracht1. Gegen diesen heidnischen Ritus der Verkleidung bei den Festen wendet sich offenbar das Verbot der Tora: ,,Keine Frau darf Männertracht anlegen und kein Mann Frauenkleider, denn ein Greuel für den Ewigen ist solches Tun'‘ Dt 2252< Dieses Verbot der Tora führt auch Maimonides ins Treffen gegen den Hochzeitsbrauch der ägyptischen Juden. Auf diesem Verbote beruht auch die Stelle in seinem Mischne Tora: ,,Eine Frau darf nicht Mannesschmuck, wie Turban, Helm oder Panzer, anlegen oder ihr Haupthaar entblößen; einMann dagegen darf nicht Frauenschmuck, wie buntfarbige Gewänder oder Goldgeschmeide, in den Orten anlegen, wo diese Gegenstände nur von Frauen getragen werden“3. Daß aber bei den ägyptischen Juden die Verkleidung bei der Hochzeit zur Abwehr der Dämonen vorgenommen wurde, beweist noch folgende Tatsache. Nach einer weit verbreiteten Vorstellung können unheilbringende Geister durch Waffengewalt vertrieben werden4. Zu diesem Zwecke setzte auch bei den ägyptischen Juden die Braut einen Helm auf und nahm ein Schwert in die Hand. Die Juden in Aegypten haben den Brauch des Kleidertausches bei der Hochzeit von ihrer nicht] üdischen Umgebung entlehnt und an diesem Brauch festgehalten, bis ihn Maimonides durch seinen Einfluß beseitigt hat. Wie Maimonides über die verschiedenen Formen des Aberglaubens gedacht hat, hat er wiederholt ausgesprochen. ״Alle diese Dinge,“ so schreibt er an einer Stelle, ״sind eitel Lug und Trug, womit die Völker sich irreführten; Israel aber sollte ein weises Volk bleiben und von solchem Spuk sich fernhalten, der nicht nützt und nicht schützt“5. Die Beseitigung des von den ägyptischen Juden geübten Hochzeitsbrauches zeigt, daß Maimonides sich bemüht hat, seine Gedanken über den Aberglauben in die Tat umzusetzen, und daß er nicht nur ein großer Denker, sondern auch ein Erzieher seines Volkes gewesen ist. II. Kerze und Fackel. Aus Furcht vor bösen Geistern wagt ein Mann im südlichen Indien nur in äußerster Not nach Sonnenuntergang auszügehen; muß er sich aber in die Dunkelheit hinaus wagen, so führt er einen Feuerbrand mit, um die feindlichen Gespenster abzuhalten6. Auch im Talmud findet sich die Mahnung, daß ein Einzelner in der Nacht nicht ausgehen solle: wenn aber Einer mit einer brennenden Fackel ausgehe, dann ist es nach der Meinung eines babylonischen Amoräers, als wenn Zwei zusammen ausgingen; der Dämon aber, der Zweien begegne, vermöge ihnen keinen Schaden zuzufügen7. Der Mensch einer primitiven Kulturstufe glaubt sich in der Dunkelheit der Nacht, aber auch in allen wichtigen Momenten des Lebens von Geistern bedroht; vor allem jedoch in den drei 1 Samter 93, Note 7. 2 Bertholet a. a. O. 3 Hilehot Xkkum 1210. 4 Samter 39 ff, 45. 6 Hilehot Akkum 6 Samter 67. 7 Berach. 43 a.