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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. 161

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte religiöser Bräuche
Date
1927-01-01
Page
161 (sequence 1)
Language
German
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Zur Geschichte religiöser Bräuche. Von J. Bergmann in Berlin. I. Ein Hochzeitsbrauch der ägyptischen Juden. Maimonides tadelt die ägyptischen Juden, die bei ihren Hoch- Zeiten fremden nicht jüdischen Bräuchen huldigten und eine Art Mummenschanz aufführten. Dabei bedeckte die Braut ihr Haupt mit einem Turban oder Helm, nahm ein Schwert in die Hand und führte, in dieser Verkleidung tanzend, den Zug der Hochzeitsgäste an; der Bräutigam ließ sich dagegen von Toilettenkünstlerinnen nach Weiberart aufputzen, und auch den bei der Hochzeit anwesenden Knaben wurden Frauenkleider angelegt und die Nägel mit Henna gefärbt. Maimonides erzählt, daß er diesen Hochzeitsbrauch, au dem bedeutende Männer in Aegypten festhielten und von dem auch das Volk nicht lassen wollte, beseitigt habe1. Der Hochzeitsbrauch, den Maimonides bei den ägyptischen Juden rügt, findet sich bei verschiedenen Völkern. In Sparta erwartete die Braut den Bräutigam in männlicher Kleidung. Die argivischen Bräute trugen falsche Bärte. In Kandesch in Indien reitet die Braut zwei Stunden vor der Hochzeit in Manneskleidern durch das Dorf. Bei den Esten wird die Braut am Hochzeitstage mit einem Mannesgurt umgürtet und dem Bräutigam ein Weibergürtel um den Hut gebunden2. Wie bei den ägyptischen Juden auch den Knaben, die bei der Hochzeit anwesend waren, Frauenkleider angelegt wurden, so setzt bei den Esten nicht nur die Braut, sondern auch die Brautjungfer einen Männerhut auf3. Der Kleidertausch bei der Hochzeit ist aus einer abergläubischen Vorstellung hervorgegangen. Bei allen Völkern war der Glaube verbreitet, daß Braut und Bräutigam am Hochzeitstage von neidischen Dämonen bedroht werden. Durch die Verkleidung aber wollte man die Dämonen täuschen und das Brautpaar und die bei der Hochzeit anwesenden Knaben und Brautjungfern vor ihnen schützen4. Der Brauch der Verkleidung bei der Hochzeit wurde von den heidnischen Völkern auch auf die Feste und Prozessionen übertragen, die zu Ehren der Ehe- und Hochzeitsgötter gefeiert wurden. Im syrischen, phönizischen und anderen Heidentum gab es Prozessionen, bei denen Männer in Frauengewandung und Frauen in Männertracht einherzogen5. Bei dem argivischen Feste Hybristika legten die Männer Frauentracht und die Frauen Männerkleidung an. In Cypern opferten dem bärtigen, Bilde der Aphrodite die Männer in Frauenkleidung und die Frauen in Männerkleidung. In Kos opferte’ 1 קובץ תשובות הרמ״בם ed. Leipzig 51a. Perles MGWJ 9, 357. 2 Samter, Geburt, Hochzeit und Tod, Leipzig und Berlin, 1911, 91 ff., wo auch der Hochzeits brauch deT ägyptischen Juden erwähnt wird. 3 Samter 93 f. 4 Samter 94. Scheftelowitz, Altpalästinensischer Bäuernglaube, Hannover 1925, 94. ö Bertholet, Deuteronomium. Freiburg i. B. 1899, 68. Monatsschrift, 71. Jahrgang. 11

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