Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 3)
- Language
- German
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143 nur daß nach dem Dekalog geboten wird, die Steine des Bundes auf dem Garizim aufzustellen. Andererseits müßte Josua bei den Samaritanern über Moses gestellt sein, müßte sich Gott gegen Moses äußern. In Wirklichkeit aber ist Moses ״für die Samaritaner, der einzige Prophet und genießt eine Verehrung, die der Vergötterung nahe kommt. Das wichtigste dem Moses beigelegte Attribut ist das des einzigen Propheten, des treuen Propheten, des Gesandten, der von Gott zur Verrichtung von Wundern und Wundertaten erwählt wurde; außerdem gibt es keinen wie ihn, noch wird bis zum Ende der Welt ein solcher erstehen.“ (Gaster in der Encyklopädie des Islam s. v. Samaritaner, IV, 135). Die Methode. Bin Gorion hat sich ins Nebelland der phantastischen Vorstellungen verirrt. Er hat weder den Ausgangspunkt noch den Weg richtig gewählt. Bin Gorion meint, die aggadischen Anschauungen über die Bedeutung Sichems, Garizims, Josuas reichen in eine Zeit zurück, ehe die Bibel ihre heutige Fassung erhalten. In Wahrheit gibt es keine vorbiblische Aggada. Als Beispiel einer solchen vorbiblisehen Aggada soll die Vorstellung von der Asche Isaaks, von der wirklichen Opferung Isaaks gelten (129—131). Es kann dabei aber nur das Beabsichtigte als Ausgeführtes eingerechnet worden sein. Nach der aggadischen Ueberlieferung könnte es ja kein Judentum geben, wenn Isaak kinderlos geopfert worden wäre. - Der Weg, den Bin Gorion betreten, ist nicht gangbar. Ein heutiger Forscher hat nicht das Recht, ״wieder auf die Schrift zurückzukommen, wie wenn sie noch als ein ganzes und undurchforschtes Feld sich uns darböte“ (XIV). Ein so ungerechter Versuch kann nicht ungerächt bleiben. Es wird dabei unvermeidlich, daß längst Bekanntes neu entdeckt wird: als Kriterien der Quellenscheidung der Wechsel der Person und der Zahl, der Wechsel der Aussprache an Moses, an Aaron oder an Beide1; der Hinweis auf die reinen und unreinen Tiere Noes (44); die Uebereinstinimung zwischen dem goldenen Kalb und zwischen Jorobeams Kälberdienst (246); auf die Schwierigkeiten in der Erzählung vom Stiftszelt; auf die Parallele der Haderwasser Ex 17 und Num 20, — wie noch manches andere. Es ist nicht leicht zu begreifen, geschweige zu billigen, welche Auswahl Bin Gorion bei der Anführung seiner Vorgänger trifft. Von neuern christlichen Forschern nennt er bloß Gail, Kittel, Steuernajgbl (auch nur für Unbedeutendes). Es ist ungerechtfertigt, Geiger ja und Wellhausen nicht, Kahana ja und Kautzsch nicht, Schorr oder Ehrlich ja und Gunkel oder Greßmann nicht anzuführen. Die Absicht, nur Hebräisches zu nutzen, wäre ja gar zu kleinlich, wird auch nicht ausgeführt. Sellins Arbeiten über Moses (1922) und über Sichern (Wie wurde Sichern eine israelitische Stadt? 1922) dürfte Bin Gorion nicht mehr gekannt haben. Manche Berührung ist überraschend. Auch Sellin meint, Moses sei frühzeitig aus dem Wege geräumt worden, wohl nicht durch Josua, doch durch Pinchas. Für Sichems Bedeutung stellt Sellin die Belege ähnlich zusammen wie Bin Gorion2 * *. Die mangelhafte Rücksicht auf die Forschung der Vorgänger mag es mitverschuldet haben, wenn sich Bin Gorion zu exegetischen Ungeheuerlichkeiten verleiten läßt. Den kraftvollen Satz Gn 9e verwässert er: שפך ״ דם האדם, אדם באדםMensch für Mensch“ (43, 45) כסר הדם soll einen Erdaltar ersetzen (31, A. 18); 5!נפה stamme von 83!) נם, A. 8); — Ex 20ß וישלח את נערי בני ישראל bedeute, Moses habe die Jünglinge preisgegeben, zum Opfer bestimmt (202, A. 1); חור sei חבר, sei Jethro (221); Ex 2026 schlägt B. G. statt לא תעלה במעלות vor לא תמעל מעל (und sieht darin das Verbot der Unzucht auf dem Altar 441). Ex 2113 והאלהים אנה לידו will er ענה lesen (237, a. 5), statt מי מריבה schlägt B. G. ימי מריבה; vor (417); Gen 496 עקת שור bedeutet שור die Wand (450). Entsetzlich “folgende Deutung: Lv 201ד 1 Hingegen dürfte das Kriterium des Wechsels von עם und ישראל die Erwartungen, welche Bin Gorion daran knüpft (255, 320, 321), gewiß täuschen. 2 Ueberaus bemerkenswert noch ein Zusammentreffen. Bin Gorion gliedert den ersten Schöpfungsbericht in eine Schöpfung durch das Wort und in eine Schöpfung durch die Tat. Aeimliches hat Mayer Lambert ausgeführt im Hebrew Union College Annual I 3—12, Cincinnati 1924, zu einer Zeit, wo Bin Gorion nicht mehr lebte.