Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 144

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 144 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2829132-2829943-2829946-2833794--47482-2833896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

144 ״ חסד ד1ו» ונכרתו לעעי בני עמםWenn ein Mann seine Schwester nimmt, so ist das eine Gnade und sie sollen einen Bund schließen vor den Augen ihres Volkes“ (482). Das Verdienst des Werkes. Die Herausgeber verkünden, das Werk habe ״neben seinem eigentlichen Inhalt den Wert einer Enzyklopädie der rabbinischen Bibelkritik.“ Allerdings übertreiben sie, wenn sie hier die Anwendung ״einer neuen, bisher von niemand angewendeten Methode“ vermuten, als ob das Gebiet der rabbinischen Literatur für die Bibelwissenschaft erst erschlossen werden müßte. Im Besitze von Bachers Aggadawerk können wir doch nicht glauben, es sei nichts für das Verständnis der Schriftdeutung des jüdischen Altertums geschehen. Die heutige Forschung wird nicht müde, für Sprache und Inhalt der Heiligen Schrift auch aus den nachbiblischen jüdischen Schriften Belehrung zu schöpfen. Selbst Ansätze der heutigen Kritik hat man im talmudischen Schriftum gesucht1. Dennoch soll es dankbarst anerkannt werden, daß Bin Gorion diesen Teil seiner Arbeit meisterhaft geleistet hat. Anschaulich wird uns vorgeführt, wie so manche Erkenntnis der heutigen Forschung bereits der Aggada oder der mittelalterlichen jüdischen Exegese aufgegangen war: die Parallelberichte über die Schöpfung des Lichtes (22), Noes reine und unreine Tiere (41), die Widersprüche in der Sintflutserzählung (Kaspi, S. 71, A. 47); das Schwanken der Ueberlieferung vom Kampfe Jakobs mit dem Engel, wobei der Erzvater obsiegt oder unterliegt (166—169); die Verbindung des Bundesbuches mit der Geschichte Jethros (220); die Erklärung von Ex 3235 אשר עשו את העגל als אשר עבדו את העגל (Targum, S. 284); die Aehnlichkeit der Vernichtung des goldenen Kalbes mit der Götzenvernichtung Josijahs (Tosefta, S. 284); R. Chijjas Beobachtung, wie das Zehngebot an Einzelne, die Heiligkeitsgesetze an die Gesammtheit gerichtet sind (302); die Schwierigkeit des מעבר לירדן (Raschbam, s. 305); wie die Aggada חטב עציך עד שאב מימיך Dtrn 2910 als Anticipation des Vorfalls mit den Gibeonitern erkannt (S. 356); wie der Zusammenhang des Deuteronomiums mit dem Josuabunde richtig gefühlt wird (405). Einige Abschnitte sind als überaus wertvoll hervorzuheben: Die Gebote der Noachiden (83—88); Die Propheten vor Moses (135). Die vormosaischen Gesetze in .der Uenerlieferung (135—165); Der Fünfte (170—172). Gesetzesstationen (305—308), Beschneidung frühzeitig verstorbener Kinder (461, 462)/ Eigentlich sind die wertvollen Stoffsammlungen an Umfang den kühnen Aufstellungen überlegen, nur springt das Kühne, das Ungeheuerliche eher ins. Auge. Ich glaube, die Herausgeber hätten besser getan oder täten besser, wenn sie die ursprüngliche hebräische Stoffsammlung hebräisch veröffentlichtea ohne die breiten Quellensonderungen und ohne die abenteuerliehen Zutaten. Bin Gorion gehört der Geschichte des jüdischen Geistes, des jüdischen Schrifttums an, wohl nicht als Schrifterklärer, doch als Forscher der Aggada und als einer der ersten Werkmeister der jüdischen Sagenkunde2. Bernhard Heller. Deimel, Antonio, S. J. Veteris Testamenti Ghronolögia. Rom 1912. (Scripta Pontificii instituti biblici.) In der vorliegenden Arbeit bringt der Verfasser das gesamte altorien־: talische Material, das zur Zeit der Publikation (1912) zur Chronologie des Alten Testamentes vorlag. Die sog. assyrischen Eponymenlisten (und zwar zwei verschiedene Gattungen) werden im Wortlaute wiedergegeben, woran sich eine Wiedergabe des ptolemäischen Kanons anschließt, um. zu zeigen, wie sehr derselbe mit den Keilschrifturkünden übereinstimmt. Dann bringt der Verf. die chronologischen Texte der Babylonier und geht schließlich auf 1 S. auch M. Eisenstadt, Ueber Bibelkritik in der talmudischen Literatur. Frankfurt a. M. 1894. 2 S. auch Hugo Greßmanns Besprechung ZAW 1926 XLIV, 307—309. Auch Greßmann lehnt Bin Gorions Kühnheiten ab. Und doch hat eben Greßmann in seiner Abhandlung: Vom reichen Mann und armen Lazarus, anerkannt, welche Anregungen er Bin Gorion verdankt und eben er hat Bin Gorions sagengeschichtlichen Werken volles Lob gespendet (Inselschiff, Ostern 1924, S. 121—126).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.