Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 142

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829943-2829946-2833794--47480-2833894
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

142 sammen: ״daß der Berg der Gesetzgebung der im Land gelegene Gari zim ist, nicht der Sinai der Wüste . . . daß der Stifter der jüdischen Religion der Feldherr Josua ist, der den Landtag zu Sichern (Josua 24) abhält, und nicht Mose; daß die Grundgesetze der jüdischen Religion die zwölf Flüche (Dt 27) sind und nicht die zehn Gebote.“ Verblüffend, niederschmetternd wirken diese Sätze. Doch wenn sie überzeugten, müßte man eben umlernen, wie nach anderen sicheren Ergebnissen der kritischen Forschung. Aber es genügt, die Sätze weiter auszuführen, und sie sind gerichtet. Sichern und Garizim geraten in den Mittelpunkt der israelitischen Religionsgeschichte. Von Sichern geht der Bund aus, das Bundes Zeichen, die Beschneidung. Da muß es sich nun der Bericht Gen 34 gefallen lassen, auf den Kopf gestellt zu werden. Wohl schließen die Söhne Jakobs mit den Sichemiten einen Bund, doch es waren nach b.G. die Sichemiten, die die Bedingung der Beschneidungstellen. Simon und Levi wollen Dina nicht Sichern überlassen, da sie ihnen nicht nur Schwester, sondern auch Frau war (440). ״Die weiter folgende Erzählung von dem Betrug und der meuchlerischen Tat ist später hinzugedichtet worden. Sie ist nicht jüdischen Ursprungs, sondern stammt von derselben Hand wie Gen 2519—34 und auch 27, welche edomitische Quelle bemüht war, Jakob und seine Kinder anzuschwärzen und ihre List hervorzuheben. Verfaßt wurde dieser Bericht, daß die Sichemiten gerade am dritten Tag nach der vollzogenen Beschneidung meuchlings überfallen wurden, von den Edomitern zur Zeit des . Makkabäers Johann Hyrkanos, aus Rache darüber, daß dieser sie zur Beschneidung gezwungen hat“ (441). Herodes, der so manches auf dem Gewissen hat, hätte nun auch die Tora gefälscht, im Zeitalter der Tannaiten! Anfangs hätten sich die Hebräer der Beschnei düng widersetzt, das sollen Abraham (!), Moses, Jirmijah bezeugen. Ex 2025 ״ תבנה אוזדי,1 גןיתsollte wohl besagen, daß an den steinernen Altar kein Beschnittener herantreten durfte, weil er durch die Beschneidung entweiht worden war“ (441). Die Beschneidung sei erst durch Josua vorgenommen worden, nicht aber in Gilgal, sondern auf Garizim, denn גזר *־* גרז bedeute eben die Beschneidung (442). An Stelle Moses sei Josua getreten. Bin Gorion weiß es genau wann: beim Angriff Amaleks habe sich Moses fern gehalten, darum mußte er hinfort die Führung Josua überlassen (417). Alles Große sei nun von Josua geleistet aber auf Moses rejiziert worden; der Zug durchs Rote Meer (nach dem Vorbilde des Uebergangs über den Jordan), die Aussendung der Kundschafter, die Erscheinung des himmlischen Feldherrn mit dem Aufruf: die Schuhe abzulegen, die Einsetzung der Zufluchtsstätte (418). Der Kernpunkt aber liege im Garizimbunde, Dtrn 27. Diesen Bund könne nur Josua geschlossen haben, alle Verfügungen passen nur auf ihn (S. 479—484). Dtrn 271s habe nur das Stehlen von Götterbildern verboten, das Verfertigen sei erlaubt gewesen, wie es Michas Beispiel bezeugt. — ״Verflucht wer seines Nächsten Grenzen enget“ 271ד passe doch eben für Josua, der die Grenzen des Landes festgesetzt. — 8!27 ארור משגה ערר בדרך sei statt עור zu lesen ,עורו מעות ,ייעות und verbiete, die öffentlichen Wege nicht zu beschädigen.׳ — Der Fluch gegen den, wer das Recht der Fremden, der Waisen und Witwen beugt (2719) sei zum Schutze der Gibeoniten und der Töchter Zelafchads ausgesprochen — Dtn 27!6 ארור מקלה אביו. ואמו Wird abstoßenderweise auf die Entmannung des Vaters gedeutet, — noch abstoßender 720 2 ככף. — Doch das Ungeheuerlichste kommt noch: das Verbot der Geschwisterehe 2722. Ursprünglieh sei die Geschwisterehe nicht verpönt. Belege: Kains Ehe mit seiner Schwester, Abraham und Sara, die zwölf Stammväter und ihre Zwillings- Schwestern (440, 448), die Ehe Levis und Simons mit Dina, Amnon und Tamar. Der Fluch auf dem Ebal gegen die Geschwisterehe bedeute eben: Simon und Levi müssen ihre Schwester Dina an Sichern abtreten, es sollte die ״eingewurzelte Sitte nunmehr aufgegeben werden, damit die beiden Völker (Sichern und Israel), die den Bund am Garizim schlossen, zu Einem würden.“ (483). Ich glaube, diese Sätze mitteilen, heißt sie widerlegen. Als lebende Zeugen dieser Garizim-Josua-Ueberlieferung sollen die Samaritaner gelten. Nun aber wird in der samaritanischen Ueberlieferung der Garizim stets nur der Stadt Jerusalem gegenübergestellt, niemals dem. Berge Sinai, dem im samaritanischen Pentateuch dieselbe Bedeutung zukommt wie in unserem,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.