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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 140

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 3
Article
Zur Ethymologie von siqariqon
Date
1927-01-01
Page
Seite 140 (sequence 3)
Language
German
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140 worden ist, einen Pachtzins für das erste Jahr zü erheben/' Ans dem letzten Beispiel ersieht man, daß das Wort mit Vorliebe auf Rechtsverhältnisse des Landbesitzes verwendet wurde. Dasselbe gilt von 2. dem Substantiv auyxpiats ,,Beschlußfassung, Entscheidung", z. B. yij iu auyxpiasi ,,Lehenland (= y7j ßaodixy, d. 11־. Königsgut), über dessen Neuverpachtung die amtliche Entscheidung noch in der Schwebe ist." Es existierte also in der hellenistischen Rechtssphäre ein Terminus aoyxpweiv ״gerichtlich zusprechen, verpachten", der auch in der palästinischen Gerichtssprache einst im Gebrauch gewesen sein wird. Der דין סיקריקון würde die aramäische Entsprechung etwa eines griechischen vopos auyxpivcov oder 4p7j(p10pa auyxplvov ״Liquidationsgesetz oder -beschluß" sein. Denn ob in der Endung jl ein griech. cov oder ov steckt, läßt sich aus dem aramäisehen Sprachgebrauch nicht entscheiden (vgl. z. B. אגיריאון griech. äyptov oder אימירון griech. ypepov bei J. Levy, Chald. Wörterbuch, I3 S. 10 oder bei S. K r a u s s , a. a. O. S. 35.) Von Seiten der Bedeutung wäre die hier vorgeschlagene Etymologie von סיקריקון also in bester Ordnung, wenn wir annehmen, daß das griechische Fremdwort ursprünglich die objektive Bedeutung, die oben angegeben ist, gehabt hat und erst im Volksgebrauch Palästinas infolge mangelhafter Kenntnis des juristischen Griechisch zur subjektiven Bezeichnung des vom Liquidationsbeschluß Nutzen Ziehenden geworden ist. Aber die Sprachform macht Schwierigkeiten. Vorerst sei bemerkt, daß wir — die Richtigkeit der vorgebrachten Etymologie vorausgesetzt — nicht mehr Sikarikon-Gesetz, sondern Sikrikon- Gesetz werden umschreiben und demgemäß das aramäische Wort werden lesen müssen1. Ganz regulär ist die Ersetzung des griech. o durch י; sie findet sich (gemäß der neugriech. Aussprache des u als 1?) neben der Wiedergabe durch und 2ר. Auch das gutturale y n konnte im Aramäischen verschwinden, wenn der Palästinenser es (wie in der neugriechischen Volkssprache) an das folgende x assimilierte: yx < xx} x, ein ganz gewöhnlicher Sprach Vorgang (Beispiele bei S. Kraus s a. a. O. I, S. HO)3. Aber man sollte nach dem griechischen Vorbild eher סיקדינון mit נ anstelle des zweiten לן erwarten. Ist die Lesung mit zwei p über jeden Zweifel erhaben? Kann sich nicht irgendwie eine falsche literarische Tradition gebildet haben? Darüber habe ich kein Urteil, ich muß es den Fachgelehrten überlassen. Man könnte auch an volksetymologische Umgestaltung denken. Auch bei dieser Hypothese ist es mir nicht möglich, das etwaige Vorbild anzugeben. Vielleicht hilft ein Fachgelehrter weiter. 1 Diese Aussprache gibt übrigens schon S. Krauss, ä. a. O., S. 392, wo er סיקריקון als sikrikon umschreibt. 2 Siehe Krauss a, a. O; I, S. 53. 3 Allerdings ist in anderen Fremdwörtern der Nasal n vor k erhalten; z. B. aram. איכקיא aus lat. uncia ״Unze“ oder אמקי aus griech. avdjx7j ״Not“ (S. Kr aus s a. a. Ö. I, S. 43 f.). Doch bei dem Fremdwort סיקריקון ist wohl mit mündlicher, nicht literarischer Tradition zu rechnen.

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