Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 3
Article
Eine unbekannte mystische Schrift des Mose de Leon
Date
1927-01-01
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2829132-2829943-2829946-2833790--47443-2833865
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

113 falscher Gebrauch und fürchterliche Häufung der Konjunktionen1 2, die Einleitung auch gewöhnlicher ״Daß“-Sätze mit בהיות ohne folgendes 2ש! Am allersonderbarsten ist hierbei schließlich, meist an Stelle von Relativsätzen, eine Infinitivkonstruktion nach Art des nominativus cum infinitivo, bei der das Subjekt, des abhängigen Infinitivsatzes von dem des Hauptsatzes durchaus verschieden ist. Diese in der jüdischen Literatur nur noch das Aramäisch desZohar völlig beherrschende Infinitivkonstruktion gibt den Schriften des M.d. L. ein sehr fremdartiges Ansehen3. Sätze wie 364b היא החכמה להתעלות אדם בה das ist die aotpia, zu der der Mensch sich erheben soll (gerundivisch!) oder 370b אותיות מיוחדות מכל שאר אוודות להתייחד הוא בכבודו בהם vor den übrigen ausgezeichnete Buchstaben, in denen seine Einheit [symbolisch] dargestellt ist scheinen den entschiedenen Einfluß einer fremden Syntax zu verraten; auch das Hebräisch der Tibboniden kennt, soweit ich sehe, derartige Sätze nicht4 *. In Cod. 47 finden sie sich auf jeder Seite mehrfach! Aber auch in den Einzelheiten der Phraseologie stimmen die Hs. und M. d. L.s Schriften überein: es sind dieselben Formeln, mit denen die dargelegten Mysterien eingeleitet und abgeschlossen werden6, dieselbe Vorliebe für einen übermäßigen und gewichtslosen Gebrauch des Wortes ״Mysterium“ 6סוד, dieselbe Verwendung seltener und seltsamer mystischer Termini 1 Fast jeder Satz oder Satzteil beginnt mit ואמנם כי oder על כל פנים oder einer Häufung, beider Konjunktionen, die hier in ihren prägnanten Bedeutungen völlig verblaßt sind, und am besten unberücksichtigt gelassen werden. Besonders das letztere Wort dient als reines Füllwort, während es noch bei Gikatilia einigermaßen mit Vorsicht verwendet wird. Bei beiden fehlt ganz der Gebrauch im Sinne von ״jedenfalls“bei Konzessivsätzen, es ist zu ״in der Tat“ und bei M. d. L. dann zu einem bloßen Füllwort, etwa soviel wie das deutsche ״nun“, geworden. 2 Ohne Berücksichtigung dieser Eigenart ist ein Buch wie Scheqel ha-qodesch ganz unverständlich. Ueber den Stil des Scheqel ha-qodesch vergl. übrigens auch die Bemerkungen Margoliouths in JT. Q. R. 1908 p. 82ל, die aber den wirklichen Sachverhalt kaum treffen. 3 Infinitivkonstruktionen bei gleichem Subjekt, aber auch nur solche, begegnen natürlich auch bei allen anderen Autoren. Jn den Büchern des M. d. L. selbst findet sich die erwähnte Konstruktion auch ungleich verteilt: der Scheqel ha-qodesch ist ihrer voll, im S. ha-nephesch ha-chakhama ist sie sehr selten. Ihr Gebrauch im Zohar verdient noch eingehende Untersuchung. Im Or zarua, das sonst alle Stileigenheiten M. d. L.’s im Uebermaß aufweist, findet sie sich wenigstens in der erhaltenen Hälfte gar nicht. 4 Auch dem romanischen Sprachkreis, etwa dem Kastilischen, gehört eine solche Konstruktion nicht an, wie mir von Sachkundigen versichert wird. Ob sie sich etwa doch in syrischen Dialekten nachweisen ließe? Die einzige Talmudstelle Berakhoth 43b וברא בו בריות מוכות ואילנות טובות להתנאות בהם בני אדם bietet, wenn die Lesart überhaupt richtig ist, freilich ganz isoliert denselben Sprachgebrauch. Die Wortstellung würde auch hier auf eine aramäische Konstruktion hindeuten. 6 z. b. 374b ff מה נחמד הענין למשכיל (in allen Schriften M. d. l.s), בסודו ועניינו als sv 810Tv bei M. d. L. sehr beliebt, סוד נכון למבין U. a. m. Viele derartige Wendungen £undi der Bibel entlehnte Ausdrücke für mystische Initiation stammen von Gikatilia. 6 364 a, auf einer beliebig herausgegriffenen Seite (zu 30 Zeilen) steht es 23mal. Davon kann man es 20 mal ohne Schaden des. Sinnes weglassen. Auch der Zohar benutzt dasselbe rhetorische Mittel der Verstärkung durch Vorsetzung von רזא als pathetisches Füllwort. —An wendungen, die , in den anderen Schriften nicht mehr wiederkehren, sind mir nur 2 aufgefallen. Gott heißt hier stets nur הוא', יתברך ויתעלה (wie bei vielen Autoren), und ״du Monatsschrift, 71. Jahrgang. 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.