Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 8)
- Language
- German
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107 Sprache. In der Einleitung wirft Feder Lewin Verrat an Mendelsohns Idee vor, Mendelsohn hat trotz aller Verfolgungen sein großes Werk durchgeführt. Er entfernte bei seinem Volke das steinerne Herz und ersetzte es durch ein lebendiges. Und es versammelten sich um ihn die Scharen der Maskilim aus Deutschland, dem Norden, aus den überseeischen Landen, um das deutsche lschon zachut zu finden. Nun zerstört Lewin den Palast, um eine Hütte an seinen Platz zu stellen. Er entfernte die Liebreizende, um eine Mohrin zu umarmen, von der ein Bauer mit Ekel sich abwenden würde. Er möge also Buße tun und nicht alten Vetteln seine Arbeit weihen, um ihnen dann zum Gelächter zu dienen. Die Szene findet Beerez ha-chajim statt. Die Personen bilden eine illustre Gesellschaft: Die ganze europäische Haskala, Rabbi Mosche Dessau sitzt auf dem Throne, Ihm zur Rechten und Linken Rabbi Menasse ben Israel und Rabbi Moses Chaim Luzatto, zwei der gediegensten Paten der jüdischen Renaissance. Rabbi Hirz Wesel kommt, den Psalter in der Hand. Rabbi Izchak Euchel nähert sich niedergeschlagen. Ihm nach Rabbi Joel Bril kopfschüttelnd, zuletzt Bensew wehklagend. Zu allerletzt treten auf der Fürst des Totenhofes, der Malach duma, der Autor des Werkes Melamed Siach und der Autor des Oluf Omer, zwei unbekannte, dunkle Autoren und Melamdim. Mendelsohn äußert seine Zufriedenheit über den guten Fortgang seines Werkes, Wesel gibt eine Charakteristik seiner frommen keuschen Muse und charakterisiert den Rabbi Mosche Chaim Luzatto als ersten Regenerator der hebräischen Poesie, Euchel kommt mit verstörtem Antlitz: Wem hast du deine Herde zurückgelassen? Luzatto ist hin, Wesel hin. Nun wird die Stottersprache wieder erstehen und das lschon zachut unrettbar versinken. Ein großer Mensch und Maskil, Satanow (Lewin), ist uns geblieben, der kühn vor Fürsten hintritt. — Einen Possen hat uns Gott gespielt. Satanow dem Uebel Einhalt tun! — Der entrüstete hohe Rat verbannt Euchel wegen der blasphemischen Aeußerung in die dunkelste Ecke des Paradieses. Erst Bensew glaubt an die traurige Wahrheit. Der hohe Rat laßt sich einige Stellen der Satanowschen Uebersetzung vorlesen: ברב״ עם ״ הדרת־־ימלך ובאפם לאום מחתת רוון:AsachVoik ist schein far a Meiiech, winzig Volk ist a'schlim Masel auf dem Purizel“1 (Spr 1428); חכמות 14) נשים בנתה ביתה ואולתבידיד» תהרסנו:.!) >,a kiüge Ische bauet a Haus, a schlimesalnize spustoschyt das Haus2“. Die Not ist groß, keiner der Anwesenden versteht die Ueber- Setzung. Italienisch ist es nicht, arabisch auch nicht. Offenbar ist es die Sprache der Waldteufel oder Pferde — und Wildeselgewieher. Man schickt also den Malach Duma um den Autor des Melamed Siach. Dieser ist ein alter Mann von furchtbarem Aussehen. Er liest die Uebersetzung, endigt mit einem halb hebräischen, halb aramäischen Mischmaschpiut und entsendet ein Huldigungsschreiben an Satanow. Die ganze Versammlung bricht in ein höhnisches Lachen aus. Der entrüstete Baal Melamed Siach verfällt in Wut und läßt sich zu 1 Purizel, Deminutiv des hebräischen Puriz, was bei den slavischen Juden Herr bedeutet. 2 Slav. verwüstet.