Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 7)
- Language
- German
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106 seine schädlichen Lehren zerreißt. Die Männer der neue,n Sekte widmen ihre Werke entweder reichen Leuten oder gar einem Weibe. Er aber schreibe sein Werk; zu Ehren des Ewigen, des Gottes, der Himmel und seiner Seher. Fehde sei von Tobias angesagt dem verkehrten und hinterlistigen Manne. Wolfsohn, voin damaligen Rationalismus angefressen, suchte die biblischen Wunder, wie schon manche vor ihm, auf natürliche Weise zu erklären und den Text durch kleine eigenmächtige Aenderungen einzelner Buchstaben zu ändern. Feder weist nun gründlich nach, in welch reichlichem Umfange die biblische Textkritik seit den Chachme ha-Talmud, den Sinn der einzelnen Worte und Wendungen bestimmt und begrenzt hat, ohne irgendwelche Möglichkeit zu Aenderungen zurückzulassen. Die nun folgende Abfertigung Satanows beginnt er mit einer trefflichen, witzigen, seitdem von der jüdischen Literaturgeschichte in allen Punkten angenommenen Charakteristik desselben, die er : mit der Aufforderung beschließt,. seinen^Irrtum vor allem Volke einzugestehen, Feders reifstes Werk, zugleich das typische erste klassische Werk der galizischen Haskala, ist der um 1816 entstandene Kol Mechazezim. Kurz vorher hatte Mendel Lewih die Sprüche Salomons in den jüdischdeutschen Dialekt übersetzt. Das war etwas Unerhörtes. Moses Mendelsohn hatte die Bibel ins Deutsche übersetzt, Diese Uebersetzung war nicht etwa bloß für das Häuflein der in Deutschland wohnenden Juden, sondern für alle aschkenasische Juden, also auch für die in slavischen Ländern wohnenden, bestimmt. Sie sollte denselben ״die Stotterzunge“ (den Jargon) abgewöhnen und für sie die erste Stufe zur europäischen Kultur werden. Mendelsohns Arbeitsjahre hatten nicht hingereicht, die Uebersetzung der ganzen Bibel zu bewerkstelligen. Die Hagiographen und die fünf Megiloth harrten noch des Uebersetzers. Die Jünger sollten das Werk des Meisters fortsetzen. Und da kommt der älteste Jünger des hingeschiedenen Meisters, der am meisten geachtete, einer, der die zahlreichste, kulturrückständigste Judenschaft der Welt repräsentierte und führte in die heilige Schrift wieder den Jargon ein, den Jargon, die Spräche des Golus, der den Maskilim alle Auswüchse des Golus symbolisierte. Das war offenbarer Verrat, Verrat an den heiligsten Idealen der jungen Haskala. Da ließ Tobias, der sich indessen zum voraussetzungslosen Jünger des Berliner Meisters durchgekämpft hatte, die mächtige ״Fanfare der Hirten" — Kol Mechazezim — erschallen und rief zum Kampf gegen den Tempelschänder. Aber das Buch war nochr nicht gedruckt. Die Maskile Brody, sämtlich. Verehrer des Meisters, erfuhren davon, Jakob Samuel Bick erließ in ihrem Namen an Tobias Feder seinen bekannten Brief, ein Meisterwerk der Logik und ästhetischen Kritik und eine musterhafte Verteidigung jeglicher Dialektdichtung. Feder zog gegen Ersatz der Druckkosten das Büchlein zurück. Es blieb nun liegen, bis zum Jahre 1851, in welchem es von Abraham Mendel Mohr zum erstenmal gedruckt wurde, apokryph. Die Einkleidung, die in Feders bisherigen Werken sich an die arabisch-spanische Schule anlehnte, ist jetzt ganz im Stil der Deutschen, Naftali Hirz Wesselys, gehalten. Es ist ein formvollendetes Dramolet, wohl das erste Literäturdrama in hebräischer