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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 105

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 3
Article
Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
Date
1927-01-01
Page
Seite 105 (sequence 6)
Language
German
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105 einst at^f der Reise bei einem Freunde in einem kleinen Städtchen. Als dieser tags darauf bei ihm eintreten wollte, um ihn zürn Essen abzuholen, rief ihm Feder zu: Achtung, du siehst ja, der ganze Fußboden ist mit Kreide beschrieben. Feder war nämlich zur nächtlichen Stunde von der Fülle seiner Gedanken überwältigt worden, da er aber weder Papier noch Schreibzeug hei sich hatte, schrieb er die ihn sich auf drängenden Gedanken mit Kreide auf den Fußboden nieder. Seine letzten Jahre hat Feder in Tarnopol zugebracht. Sein letztes Werk ist gegen Mendel Lewin gerichtet. In Tarnopol ist er auch den 9. Tamus 5577 (1817) gestorben und daselbst auf dem alten israelitischen Friedhofe bestattet worden. Ein Verzeichnis von Feders Schriften möge man in den Bibliographien nachsuchen. Die nicht herausgegebenen und großenteils verloren gegangenen erstrecken sich meist auf hebräische Grammatik und biblische Textkritik. Vor allem aber ist er glänzender Stilist in Prosa und Vers. Seine Entwicklung durchläuft alle Stufen. Er beginnt im Makamen- und Musivstil und endigt als einer der glänzendsten Mlizim jener Zeit, der sämtliche Formen der neuen deutschen Schule glänzend zu handhaben wußte. Seinem inneren Gehalte nach war er ein aufopfernder Wahrheitsfreund. Nicht, daß er etwa mit Protesten gegen Mißbräuche in der Gesellschaft auf getreten wäre. Aber seine Welt war das hebräische Schrifttum, vor allem die heilige Schrift. Und in dieser scheinbar so engen Welt kämpfte er, unentwegt, unerschrocken, für Recht und Wahrheit. Besonders charakteristisch sind für ihn 3 Werkchen in Prosa und die von Abraham Ber Gottlober 1877 in.der Sammlung Schern6־u-Scheerith herausgegebenen Gedichte. Sein Erstlingswerk ist das jetzt ganz unauffindbare Buch Bajith Neeman. Da dieses Buch in Berlin in der Druckerei der Jüdischen Freyschule 1794 erschienen ist, können wir daraus schließen, daß Feder die neue Haskala an der Quelle kennen gelernt hat. Die Einkleidung des Buches ist makamistisch-mussivisch. Es soll den dritten Teil eines noch nicht herausgegebenen (wohl verloren gegangenen) großen Sammelwerkes Bet Tobiah über Grammatik und Bibelexegese bilden. Es besteht aus 10 Kapiteln, welche über das Wort Emet, über die Verbindung der Ausdrücke Emet wachesed, über Emet wascheker, über die’ Erbsünde, über die Begrenzung des Ausdruckes Emet usw. handeln. Im ganzen aber ist dieses Büchlein eine Apotheose der Wahrheit. Die so sorgfältige minutiöse Exegese soll nur dazu herhalten, der unverfälschten Wahrheit ׳ zum Triumphe* zu verhelfen. Sein zweites Standardwerk ist das 10 Jahre später entstandene Büchlein: Lahat ha-Chereb ha-mithapechet (Gen 324). Es ist ,,die glänzende Schwertklinge, welche als Wacht vor der Veste der heiligen Schrift aufgepflanzt steht“. Aron Wolfsohn, einer der um Mendelsohn sich scharenden Biuristen, und der bekannte Vielschreiber Izchak Satanöw haben in ihren Schriften, der eine im Biur zu Melachim I und II, der andere in seinem Buche Seder t’fillah sich bibelkritische und exegetische Ungehörigkeiten erlaubt. Der unerschrockene Feder leuchtet ihnen großartig heim. Trotz seiner Versicherung in der Einleitung, nur das Schädliche angreifen, das Gute aber unangetastet lassen •zu wollen, leistet er sich doch gleich anfangs den Witz: deshalb wird er wahrlich Wolfsohn genannt, weil er die Hebräerkinder durch

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