Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 4)
- Language
- German
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und Thora schebiksaw, vorzügliche, allseitige Schilderung der Feste und Fasttage und ihrer Bedeutung. Nur zwei Stellen des zweibändigen Buches verraten den Schelm. Im zehnten Kapitel des I. Teiles bespricht er die Erlösung und die Auferstehung der Toten. Da sagt er im Hebräischen klipp und klar: Aber der barmherzige Vater wird in seiner großen Gnade Israel aufnehmen und seinen Messias entr senden, um es in sein ursprüngliches Nest zurückzuführen, ins heilige Land zu bringen. Dort werden sie das Haus Gottes wieder aufbauen, Ganz- und Schlachtopfer darbringen und dem Ewigen in Liebe dienen- Die deutsche Uebexsetzung unter dem Strich scheint für ganz andere Leser berechnet zu sein: Glauben wir, daß der erbarmungsvolle, gnadenreiche, himmlische Vater seinerzeit das umhergetriebene, verstoßene Israel wieder aufnehmen, einen Gesalbten senden werde, der die Nation in einen würdigen Zustand versetzen, der einen, weitglänzendern Tempel, einem reinem, geläuterten Gottesdienst gewidmet, aufführen werde, einen T e xn - pel für alle Gottseligen. Homberg tut hier mit allerhand Kunststückchen dasselbe, was 40 Jahre später die äußersten Reformer offen und ohne Maske tun 1werden: er sucht aus der jüdischen Religionsübung alles Nationale auszuscheiden. Im zweiten, die Moral behandelnden Teil spricht Homberg gelegentlich der Besprechung unseres Verhältnisses zu unseren christlichen Mitbürgern: Und wir betrachten uns als Fremdlinge zwischen den Völkern, welche uns unter sich auf genommen haben, und uns leutselig nach Recht behandeln und beschützen. Im Deutschen läßt Homberg den Ausdruck ,,Kegerim" als Fremdlinge aus und übersetzt: Dieses ist unser Verhältnis zu den Nationen, welche mit dem traurigen Schicksale unserer Voreltern Mitleid hatten und auch ihre Nachkommenschaft milde behandelten1. Dem Typus des nur nach Wahrheit. strebenden fanatischen Maskil, dem in jeder Hinsicht merkwürdigen Tobias Feder, wollen wir ein besonderes Kapitel widmen. IV. Ein Fanatiker der Haskala. liabhi Tobias Feder 1. Bajith Neeman, Abhandlung über Wahrheit im Moralsystem. Berlin 1794. 2. Lahat ha-Chereb, Polemik gegen die rationalen Kritiker des Bibeltextes. Wilna 1866. 3. Kol Mechazezim, Satire auf M. Lewin (Satanow). Lemberg 1853. (Neue Ausgabe mit Einleitung und Biographie des Verf. von A. M. Mohr.) 4. Sehern u~Scheerith, Literarische Briefe und Gedichte aus dem handschrift: liehen Nachlasse Feders, herausgegeben von A. B. Gottlober. Lemberg 1877. 1 Hombergs 1806 in Wien geborener Sohn Friedrich, schon als Student zum XI. Infanterieregiment assentiert, am Ende seiner militärischen Laufbahn Oberstleutnant, trat 1836 als Leutnant aüs der jüdischen Religionsgemeinschaft aus. Dieser erwähnte Friedrich machte sich um den päpstlichen Stuhl besonders verdient und wurde Ritter des Piusordens und Gomrhahdeur des St/Gregor-Ordens!I! (Vgl. Moritz Frühling: Öst.-ung. Juden in Heer und Marine. Wien 1911. Selbstverlag des Verfassers, Oest. Wochenschrift, Ni*. 48־, 1911, S. 792.)