Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 3)
- Language
- German
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102 Salomon Lob Rapoport, hielt ihm die Leichenrede, Schon Hombergs Name, hieß es unter anderem in derselben, genüge, den Feinden Achtung zu erzwingen. Von 3 Kaisern geehrt, brachte er sogar die Schlechtgesinnten zum Schweigen. Unser Streben, die Gunst der Nationen zu erringen, hängt mit unserer Bestimmung, die Völker mit den reinen Prinzipien unseres Volkstums bekannt zu machen, zusammen1. Zum Schluß einige Worte über Hombergs Lehrbücher. Die berüchtigten, mit Dekret der k. k. Studien-Hofkommission vom 14. Dezember 1810 eingeführten Bne Zion sind trotz der Haskama des mährischen Landesrabbiners Marcus Benedict, welcher deren ״Uebereinstimmung mit den Lehren der heiligen Schrift, des Talmuds und aller großen Lehrer unserer Nation in den alten und neueren Zeiten bestätigt“, ein ganz dünner Auszug aus der Thora, der nur das enthält, was das Judentum mit dem Christentum gemeinsam hat. Der Unterschied zwischen Thora scheb'alpe und Thora schebiksaw wird sorgfältig verschwiegen. Bei Erklärung des Sabbat wird nichts über das Thoralesen gesagt, die übrigen Feiertage werden in einigen Phrasen abgetan. Vieles und Schönes wird über Nächsten- und Menschenliebe und -Verbrüderung gesagt. Den damals überall Gedrückten und Verachteten Menschenliebe und Verbrüderung predigen, heißt freilich den Hammeln Abscheu gegen die Wolfsuntugend des Blutvergießens einprägen. Ganz am Platze aber ist es, wenn Homberg bei Erörterung der Pflichtenlehre jede Gelegenheit ergreift, die Juden auf die Mißstände in ihrer Mitte aufmerksam zu machen. So schildert er z; B. in allen drei von ihm herausgegebenen Lehrbüchern der israelitischen Religion fast mit denselben Worten den wirtschaftlichen Schaden der zuvielen Zwischenhändler und die Nachteile der zu frühen Heiraten. Er empfiehlt die Reinlichkeit, vergißt sogar nicht das Beschneiden der Nägel und das saubere Haarschneiden. Er empfiehlt und begründet die Liebe zu den Christen, den Gehorsam gegen die Gesetze, den Landesherrn und die Beamtenschaft, befürwortet jede gemeinnützige Neuerung, z. B. das Impfen der Schutzpoeken. Mehr speziell Jüdisches besitzt schon die Erweiterung der Bne Zion, der von dem Warschauer Zensor und Schriftsteller Jakob Tugendhold ins Polnische übersetzte Ben Jakir, dessen Sprache eine schlechte, mit hebräischen Brocken untermengte Nachahmung des Jargons bildet. Die Benützung des Judendeutsch und der jüdischen Schrift in diesem Lehrbuche beweist, daß Homberg, durch den Mißerfolg der Bne Zion belehrt, den polnischen Juden auf diese Weise sich nähern wolliö. Hier wird nicht, wie in dem Bne Zion, die Glaubens- und Sittenlehre bloß aus dem Dekalog abgeleitet, sondern es werden auch die 13 Ikkarim, herangezogen. Ein ganz einwandfreies und auch nach heutigen Begriffen gutes Lehrbuch sind die hebräisch und deutsch abgefaßten Imre Schfefer (I. Auflage Wien 1808, II. Auflage ib. 1816). Homberg erweist sich in diesem Buche als gediegener Hebraist und großer Kenner der jüdischen Literatur^ Auch hier wird Glaubens- und Sittenlehre aus Dekalog und 13 Ikkarim entwickelt. Ueberdies haben wir hier eine gediegene Unterscheidung von Thora scheb'alpe 1 Vgl. Grient, II, 1841, S. 135.