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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 97

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 3
Article
Samuel Formstecher
Date
1927-01-01
Page
Seite 97 (sequence 10)
Language
German
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91 iil Seiner Objektivität aber realisiert sich letzteres in seiner prägmatischen Notwendigkeit, oder mit göttlicher Freiheit1/* Von diesem relativen Freiheitsbegriff ans entwickelt Form- Stecher ganz folgerichtig eine Vergeltungslehre, die. die schreckhafte Tiefe einer Verantwortung, wie sie auf einem sich imbedingt frei fühlenden Menschen lasten würde, durch Gott gnädig mildem läßt. Denn der Mensch, so würde gesagt, ist frei im Reiche des Geistes, dessen Glied er ebenso ist wie das des Reiches der Natur. Diese beiden Reiche aber sind selbst im einigen Reiche Gottes, und ihm gehört der Mensch als natürliche und als geistige Person an. Der Mensch kann also von seinem Geiste, aber er kann nicht von seinem Gotte abfallen. ,,Der Sünder2 tritt mit seinem Gotte nie in ein feindseliges Verhältnis, seine Erlösungsbedürftigkeit bezieht sich nicht auf das Verhältnis zwischen ihm und Gott, sondern zwischen ihm und seinem Geiste. Der Sünder bedarf der Erlösung aus den Bänden des Teufels, ä. h. aus dem Sklavenreiche der Natur, aber er muß sich selbst erlösen durch seine Selbsterhebung, kann aber nicht durch eine neben ihm seiende Persönlichkeit erlöst werden, weil er durch die Erlösung eines anderen immer das Gebiet des Teufels nicht verlassen hat, noch nicht den Geist in seiner Reinheit mantifestiert/‘ Formstecher paart hier mit dem . streng moralischen Standpunkt, wonach der Mensch entweder gut ist oder böse, entweder demHimmel oder der Hölle angehört, den andern, gleichfalls durchaus religiösen Standpunkt von der Einheit der Gotteswelt, in der die Sonne gnädig sieht auf Gerechte wie auf Sünder, den Standpunkt, daß die Liebe Gottes in ihrer Unendlichkeit den Sünder nicht weniger begnadet als den Gerechten. Himmel und Hölle, führt dann Forinstecher aus, sind n u r Bilder der religiösen Vorstellungswelt, aber doch auf unwegdeutbare reale Forderungen der sittlichen Vernunft zurückgehende Bilder Den Gehalt dieser Bilder in theoretische Aussagen von Wissenschaftlieber Gültigkeit zu überführen, ist. unmöglich. Das zarte Märchen wird oft den Sachverhalt wahrer streifen als wissenschaftliche Theseny; Denn all dies ״setzt3 sich wohl die Phantasie, nicht aber die richtige Forschung zur Aufgabe/* ,,das Judentum4 kann eine . . . Uhsterblichkeitslehre . . . . . nicht nachweisen, erkühnt es sich dennoch, eine solche aufzustellen‘* . . . .; .. . . so ״erzählt es nur, daß die Seele zu den Vätern kommt, schweigt aber.von einer.jeden aesthetischen Schilderung des Jenseits, bezeichnet seinen Scheol nur: mit den Prädikaten der Negation/* Es weist eben das Judentum alles Wissen um metaphysische Gegenstände als unmöglich zurück, und dies nicht nur in Bezug auf das Wesen Gottes selbst, — hier vertritt Formstecher ganz den Standpunkt der Lehre von den negativen Attributen in bewußter Anlehnung an Maimonides — sondern auch in :Bezug auf solche eben erwähnten Tatsachen* Nichtsdestoweniger beschäftigt er sich mit dem Problem des Bösen in einer Form, von der es scheint, daß diese theoretische Besonnenheit, .die Formstecher: im Einklang mit 1 S. 44/45. •2 ־ S. 40/' •* 8 S. 39, ' 4 S. 147, 152.־ Monatsschrift, 71. Jahrgang. ל

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