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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 92

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 3
Article
Samuel Formstecher
Date
1927-01-01
Page
Seite 92 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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92 notwendig nur relativen Wahrheitsgrad besäße. Gewiß kann jede historische Offenbarung bei ihrem ins Daseintreten nur eine relativ wahre sein1. Sie ist eben abhängig von den naturhaften (Klima, Rasse usw.) und geschichtlichen Verhältnissen ihrer Träger, Doch es gibt für die historische Offenbarung die Möglichkeit, die Relativität, die die Abhängigkeit von Natur und Geschichte mit sich bringt, zu überwinden, und als historische Offenbarung absolut wahre Offenbarung zu sein. Formstecher hat bei diesem eben entwickelten Gedankengang das Judentum im Auge, welches sich von den andern historischen Offenbarungen eben durch den Besitz dieser Absolutheit auszeichnet., ״Das Judentum2 stellt in den absolut wahren Grundzügen seines Charakters sich als die Manifestation der absolut wahren Offenbarung dar/׳ Es kann eben in der Fülle der Typen von historischen Offenbarungen, die die Geschichte des menschlichen Geistes aufweist, nur jene den Anspruch auf Absolutheit erheben, deren Inhalte solcher Art sind, daß sie aufbauend sind für eine Religion, die ethischen Charakter trägt3. Ueberhaupt können alle diese Typen in zwei Hauptgruppen eingeteilt werden, und man gewinnt diese Einteilung, wenn man auf die spezifische Wertqualität sieht, die durch die Offenbarung entdeckt wird. Formstecher benennt die eine Gruppe schlechtweg Heidentum, die andere Judentum4. Die Religion, welche den Namen Judentum haben darf, ist ganz eindeutig als e t h i s c h e bezeichnet. Dagegen ist die Umgrenzung des Typus, welcher als Heidentum anzusehen ist, nicht immer gleich. ״Das Heidentum5 hat einen Gott der Natur, das Judentum einen Gott des Geistes/״ ׳Der Gott des Judentums ist ein rein ethisches Wesen; er hat zwar die1 Natur sowie den Geist erschaffen, er ist in beiden wesenhaft befindlich, . . . . . dennoch ist er zugleich ein extramundaner Gott, welcher nicht als bloße Weltseele der Welt bedarf, um da zu sein.״ Die Schönheit der Natur, ihre Mächtigkeit und ihr gnaden voller, alles Lebendige ernährender Reichtum darf gewiß die Religiosität des Menschen entzünden. Die Natur, wie sehr sie auch ein Gegensatz zum Geiste ist, ist in Gott und durch Gott/ Beide, Natur und Geist, sind ״Positionen6 eines höchsten Wesens״. Aber eine ausschließlich auf Naturvexehrung beruhende Religion-hat nur relativen Wahrheitsgrad, weil sie noch nicht zur, Erkenntnis ״eines von der Natur unabhängigen, sich selbst bestimmenden, geistigen Wesens״ gelangt ist." Das Judentum kennt nur eine /ethische, aber keine ästhetische Manifestation des Absoluten.״ ״Rein ist nur ״der Menschengeist nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen, aber nicht die Natur״. Ist in dem Gesagten der Gegensatz zwischen Heidentum und Judentum, also relativer historischer Offenbarung und absoluter historischer Offenbarung, so gebildet, daß hauptsächlich ästhetische Werte (die in der Natur gesichtet werden) den ethischen entgegengestellt werden7, ,wobei den ethischen die Ueberordnung zuerkannt wird, so formuliert Formstecher diesen Gegensatz an anderer Stelle folgendermaßen. Das Judentum ist ethischer Monotheismus, das 1 S. 5 ל ff. 2 S. 192. 3 S. 61. 4 S. 63. 5 S. 66. « S. 69. 7 S. 153.

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