Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 3 · p. Seite 91

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 3
Article
Samuel Formstecher
Date
1927-01-01
Page
Seite 91 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829943-2829946-2833788--47418-2833843
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

n das er durch die eigene.ihm einwohnende Gotteskraft niemals erkannt hätte“1. Man: kann auch nicht einmal sagen, daß Offenbarung ein Wissen ist, das: auf Gott Bezug hat, denn Offenbarung ist eine ,,Mitteilung Gottes“2; ״wir wissen;durch diese Mitteilung, was gut ist und böse und nur insofern, als diese Wertmaßstäbe das menschliche Sein durchaus transzendieren, können wir sagen, es gibt einen Gott. Aber streng genommen kann sich die Religion als solche die Frage: gibt es einen Gott? gar nicht vorlegen. ,,Diese Frage kann die Religion als solche, als Produkt des prophetisch inspirierten Gefühles sich niemals vorlegen, weil die Religion selbst notwendig als von einem Gott gegeben sich ankündigen muß“3. Formstecher unterscheidet also Religion und eine ,,Wissenschaft von Dasein Gottes“3, und wie selbstverständlich es auch für ihn ist, daß in den Aeußerungen der Religion schon Momente einer solchen Wissenschaft, also theoretische Aussagen über Gott, enthalten sein werden, so hält er doch diese beiden Begriffe auseinander. Formstecher spricht von vorhistorischer Offenbarung im Unterschiede von historischer Offenbarung. Der Ausdruck ״vorhistorisch“ bedeutet nach dem Sprachgebrauch der Zeit überhistorisch, außerhistorisch, außerzeitlich. Diese außerhalb aller Zeit liegende Offenbarung hat keine ,,Perfektibilität“ ,,als das absolut Gute, ist (sie) vollendet und stabil“. ״Die Schöpfung4 des Guten ist . . . . als Position des Urseins objektiv vollendet; die Offenbarung als Mitteilung Gottes kann darum nicht vollkommener werden, so wenig wie die Natur es kann; so wie aber die Natur immer mehr erforscht werden kann, so kann die Offenbarung immer deutlicher erkannt werden. Nicht die Offenbarung, %vohh aber unsere Kenntnis von derselben kann sich entwickeln.“ Ist die hier getroffene Unter- Scheidung bedingt durch den Unterschied von bleibendem, objektivem Gehalt und sich entwickelndem, subjektivem Erfassen dieses Gehaltes, so ist außerdem folgender Gesichtspunkt für die Unter- Scheidung der vorhistorischen und historischen Offenbarung wirksam. Die Offenbarung ist, so hörten wir, Mitteilung dessen, was gut ist. Formstecher nennt aber auch Offenbarung den ganzen Inbegriff dessen, was gut ist, das ganze Reich des verwirklichten Guten. Die vorhistorische Offenbarung ist die ,,vollendete Manifestation5 des Absoluten“. ״Die Geistesschöpfung6 oder der reale Gehalt des Geisteslebens war, wie der. reale ׳Gehalt des Naturlebens, als Verwirklichung einer Gotteskraft nach dem Werden des Erdorganismus vollendet, und da wir diese Geistesschöpfung als Offenbarung bezeichneten, so können wir behaupten: daß bei der Schöpfung der Erde zugleich auch die Offenbarung mitgeschaffen wurde. Diese Offenbarung, welche objektiv gegeben ist, ist die vorhistorische Offenbarung für das Menschengeschlecht, denn ihr Werden liegt außerhalb. der Zeit,. also .außerhalb dem Gebiete der Geschichte.“ Nicht aber darf die Unterscheidung zwischen vorhistorischer und historischer Offenbarung, die Formstecher vorträgt, so verstanden werden, als ob gemeint sei, daß die historische Offenbarung 1 S. 87. ■ 2 S. 33. 3 401;■ 4 S. 33. 5 S. 62.־. S. 53.“.:;;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.