Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Samuel Formstecher
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 3)
- Language
- German
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90 anorganischen und organischen Welt unterhält und die ganze Welt zu einem allgemeinen Organismus verknüpft/' (W, W. 14, 56 G.). Aber Formstecher rückt doch vom Pantheismus der Schellingschen Naturphilosophie von 1800 ab, indem er weiter von der Weltseele erklärt, daß die Welt wohl die Manifestation der Weltseele sei, daß aber nicht gesagt werden kann, die Weltseele erschöpfe sich in der Welt. ״Der Träger aller Erscheinungen ist nicht nur p h y s.i s c 11 e Weltseele, welche alle Bewegungen hervorbringt, sondern er ist durch sein Selbstbewußtsein upd durch sein Sichselbstbestimmen ein selbständiger, freier Geist, er ist Gott.“ — In Schellings erster naturphilosophischer Konzeptiop finden sich Positionen des Pantheismüs und des Theismus noch friedlich nebeneinander, und erst in der weiteren Entwicklung wird diese Gegensätzlichkeit als Problem des Denkens ergriffen und wirklich Gegenstand theoretischer Bemühung. Er versuchte dann, ״den Naturalismus, d. i. die Lehre, daß eine Natur in Gott sei, zur Unterlage und zum Entwicklungsgrund des Theismus zu machen.“ (Denkmal der Schrift von den göttl. ״Dingen usw., 2. S. 67 ff.) Diese diesbezüglichen spekulativen Bemühungen und Lösungen haben Formstechers eigene Stellungnähme (s. u.) beeinflußt. Auch die Schellingsche Freiheitslehre (Gott will im Menschen) überpimmt er. Schellings letztes Werk, sein religionsphilosophisches System (1815) hat Formstecher gleichfalls unbedingt gekannt. Das von Formstecher gebrauchte Wort Heidentum, als Gesamtbegriff für die den! ethischen Monotheismus gegenüberstehenden Religionen, geht auf die Terminologie dieser letzten Schellingschen Schrift zurück. Nichtsdestoweniger ist Formstechers religipnsphilqsophisches Werk in seiner Haupttendenz durchaus selbständig. Das Ziel seines Werkes ist die Darstellung der jüdischen Religiosität, dabei ist der Einfluß der zeitgenössischen Philosophie insofern belanglos, als sie nur die Darstellung der vorgetragenen Gedanken, nicht diese selbst betrifft. Formstecher ist vor allem religiöse Natur. Er hat sehr oft nicht gesehen, wie wenig manche philosophischen Sätze, die er übernahm, mit seiner eigentlichen religiösen Meinung vereinbar sind. Aber er griff unbedenklich zu, wo ihm der philosophische Vortrag geeignet, schien, den Grundgehalt des Judentums seiner Generation nahezubringen. Wieviel Begabung Formstecher bei dieser Arbeit auch mitbringt, und wie sehr auch das Geleistete von philosophischem Interesse bleibt, so muß doch gesagt werden, daß Formstechers eigentliches Interesse nicht dem theoretischen Problem, sondern dem religiösen Gehalt gehört. Darin liegt keine Schranke, vielmehr gerade der bedeutende Wert seines Lebenswerkes. Die Offenbarung. Offenbarung nennt Formstecher ״die von Gott in den Menschengeist gelegte Mitteilung dessen, was gut ist“1. Sie ist also nicht etwa eine ״im Laufe der Zeiten nur einmal von außen her stattgefundene Einwirkung Gottes auf den Menschengeist, durch welche letzterer ein zu seiner Seligkeit unentbehrliches Geheimnis erfuhr,