Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Schriften zur Bibelwissenschaft [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
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83 ein Zusammenhang besteht. Das würde für Josef gut passen und für Josua, die es beide auf hundertzehn Jahre bringen. Moses, gerade zwischen diesen beiden, schaut freilich bei seinem Ende auf hundertzwanzig zurück. Das ist die Dauer von drei Generationen, auf die schon Gen 63 das Normalalter der Menschen begrenzt hat. Das gestattet darum aber auch die Vermutung, daß Mose, der mit hundertzwanzig in vollem Lebenssaft stirbt, also gleichsam vorzeitig, die in der Urgeschichte angesetzte Zahl von hundertzwanzig Jahren erreicht, während die ihn umrahmenden Gestalten Josef und Josua schon um der überragenden Größe des Mose willen sich mit hundertzehn begnügen müssen und dabei schon hochbetagt und lebensgesättigt sind. Also die hundertzehn und die hundertzwanzig Jahre biblischer Lebensalter hängen wohl primär mit der Dauer von drei Generationen zusammen. — Der Verfasser bespricht auch den Uebergang von naiv ungebrochener Freude am Leben, am langen Leben zu der in den spät biblischen und außerkanonischen Schriften dargelegten Anschauung von Auferstehung und Jenseits. Hier wird man ihm in einem prinzipiellen Punkte nicht folgen können. Es ist keineswegs, wie er meint, ,,klar, daß mit diesem Durchbruch durch die frühere Einstellung Tod und Grab gegenüber auch eine Umstellung in der Wertung des ״Lebens/' ja eine Umwertung aller früheren ״Güter und Ideale" eintreten mußte." Die von ihm angeführten Zitate (S. 41 f.) und überhaupt die auf jüdischem Boden gewachsenen Anschauungen zeugen nicht von einem Uinsturz bislang hochgehaltener Werte, sondern weisen vielmehr auf eine Ergänzung, auf eine Ueberbauung eines im Diesseits verankerten Werterlebens durch eschatologische Hoffnungen hin. Gewiß wurzelt der Mut zum Martyrium im Kreise der Makkabäer — und ebenso in der späteren Geschichte des Judentums — psychologisch auch im Unsterblichkeitsglauben. Aber die Erhöhung der Totalität des gotterfüllten Lebens führt darum nicht zu einer gewiß naheliegenden und im ursprünglichen Christentum auch vollzogenen eschatologischen Entwertung der Güter des Lebens und am allerwenigsten des Lebens selber. — Die kleine Schrift hat ihren besonderen Wert in der sorgfältigen Sammlung der in Frage kommenden Bibelstellen und ihrer Beziehung auf die verwandten Vorstellungen der Israel umringenden Kulturen. Die Habilitationsvorlesung von Gottfried Quell über ״die Auffassung des Todes in Israe 1" (Deichert 1925) behandelt ein Problemgebiet, das sich z. T. mit den eben berührten Fragen deckt. Das kulturgeschichtliche Interesse überwiegt; aber es ist klar, daß die kulturgeschichtliche Forschungsmethode für das Verständnis selbst hoher Religionsstufen immer eine gewisse Bedeutung behält. So werden zuerst die Vorstellungen betrachtet, die sich als Folgen aus der Behandlung der Leiche ergeben, natürlich mit der notwendigen Vorsicht, weil Sitte und Brauch die Gedanken, die sich ursprünglich an ihre Gründung knüpften, weit überleben. Daß für eine Leichenverbrennung jemals sanitäre Gründe bestanden haben können (S. 7), scheint uns kaum denkbar, man sollte darum diese Erklärung auch hypothetisch nicht für die .Bestattung des Saul ins Auge fassen. Die Sache bleibt vielmehr dunkel, wie der 6•