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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 6 · p. Seite 493

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 6
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 493 (sequence 18)
Language
German
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493 Himmel schildern, auf die schon Sifre Deut 34! anspielt, uns nicht erhalten seien1. In diesem Kapitel wird die Vorstellung von den vier Paradiesesströmen mit Honig, Milch, Wein, Oel (S. 68, s. auch 72, 104, 124) besprochen. Ferner die Vorstellung von den Guten (Schafen) zur Rechten, den Bösen (Böcken) zur Linken (S. 75, s. auch 85, 106), von den שקולים, deren gute und böse Taten einander die Wage halten. Auch das VI. Kapitel über Gehenna und Paradies in der apokalyptischen Literatur des N. T. weist mannigfache Beziehungen zu jüdischen Gedanken und Schriften auf. K. führt ja die ganze vom Täufer Johannes und von Jesu eingeleitete Bewegung auf die jüdische Apokalyptilc zurück, die sich von Daniel bis zum Henochbuch entwickelt hatte. Die Erwartung, daß das Reich Gottes plötzlich eintrifft, drückt ja bereits Jochanan b. Sakkai aus, und zwar mit einem dem evangelischen ähnlichen Gleichnis: ein König hat Gäste geladen, die Klugen warten festlich gekleidet am Eingang des Palastes den Beginn der Mahlzeit, die Törichten jedoch bleiben in ihren besudelten Alltagskleidern, werden zum Mahl nicht zugelassen und haben das bloße Zusehen (B. Sabbath 153a)2. Die Auffassung, daß Wohltaten mit Armen so belohnt werden, als hätte man Gott Gutes getan (Matth 253440־) findet K. auch in der Aggadath Schir hasch. IV, 1. Die Offenbarung Johannis führt K. mit Vischer und Harnack auf jüdischen Ursprung zurück. — Die Höllenfahrt Christi stützt;sich im Brief an die Epheser 410 auf den Psalmvers: du stiegst zur Höhe, machtest Gefangene (6819), was R. Akiba auf Mosis Sieg über die Engel deutet (Sabb. 89a). Die Paul-Apokalypse betrachtet K. als eine aus jüdischen Bestandteilen zusammengesetzte judenfeindliche Schrift. Diese Apokalypse erklärt, daß die Wonnen des Paradieses sich jeder Schilderung entziehen, wie es heißt: ein (sterblich) Auge hat dies nie gesehen (Jes 643). Diesen Vers wendet auch R. Jochanan auf die Unvorstellbarkeit des Paradieses an (Ber. 37b und Parallelen). K. meint, daß als Sünde, deretwegen man aus dem Paradies ausgeschlossen wird, auch in der Paulusapokalypse ursprünglich die Leugnung der Auferstehung galt, ganz so wie in der dogmatischen Mischna Sanhedrin X, 1. Daß in dieser Apokalypse die Höllenbewohner am Sonntag von der Strafe ausruhen, entspricht vollkommen der herrsehenden Auffassung der Aggada, daß die Höllenpein am Sabbath aussetzt. Ganz im heimischen Fahrwasser steuert K. im VII. Kapitel über Gehenna und Paradies in der rabbinischen Literatur. Er tritt hier den Beweis an, daß die Juden, ebenso wie sie Waren vermittelten, auch Folk-lore und eschatologische Vorstellungen verbreiteten. Die 1 Der Midrasch גדולת משה oder entsprechender עלית משה, also die Ascensio Mosis, deren Ausgaben Abraham, Legendes juives apocryphes sur la vie de Moise (23—27) bespricht und die er ins Französische übersetzt, schildern den Aufstieg Mosis von Himmel zu Himmel, deren jeder einem Tage der Woche, der Letzte aber dem Sabbath entspricht. 2 Ueber dieses Gleichnis s. Bacher, Agada d. Tannaiten I, 39, Anm. 2.

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