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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 6 · p. Seite 491

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 6
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 491 (sequence 16)
Language
German
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491 doch der spätere Aberglaube geht seine eigenen Wege und verleiht auch Bilär die Unsterblichkeit. So auch im Buche שושן סדרות aus dem XVI. Jahrhundert, einer Fundgrube der Gelleimwissenschaften. Die ältere jüdische Angelologie kennt Bilär noch nicht, Moise Schwab verzeichnet seinen Namen nicht in seinem Vocabulaire de TAngelologie. Scholem untersucht die Beziehungen Bilärs zu andern Dämonen, so auch zu .8רחאן ,ארקאן, der in den deutschen Volksbüchern durch Volksetymologie zu Auerhahn wurde. Bilärs Namen dringt vielfach in die Geheimlehre der Renaissance, in die Volksbücher, auch in das Faustbuch. Er wird auch zum Freund Wagners, besucht ihn ständig und bleibt nur aus, als Wagner sich in die Genesis vertieft. Bilär ist schwer zu beschwören. ,,Für solche halbe Höllenbrut Ist Salomonis Schlüssel gut/' (Faust 1257, 1258.) Scholem teilt die vollständige Beschwörungsformel für Bilär eben aus der Clavicula Salomonis mit, ferner aus einer Münchener Handschrift. Einmal gewonnen, erweist sich Bilär gutmütig und hilfbereit. 3• Simmel und Solle. Kohle?, Heaven and Hell in comparalive Religion with special reference 10 Dantes Divine Comedy. New York 1923. Das Buch des seither heimgegangenen großen Theologen gehört zu jenen Werken, welche, durch den Anlaß der 600. Jahreswende des Todes Dantes (1321—1921) hervorgerafen, die Gelegenheitsfeier überdauern1. Die Abschnitte setzt er nach der für Dante bedeutungsvollen Neunzahl fest: 1. Dante und die Bibel. 2. Himmel und Hölle in der babylonischen und ägyptischen Literatur, 3. in der indischen und persischen Literatur. 4. Hades und Elysium bei Griechen und Römern. 5. Gehenna und Paradies in der apokalyptischen Literatur des A, T., 6. des N. T., 7. im muhammedanischen Schrifttum. 8. Hölle, Himmel und Pargatorium in der mittelalterlichen Literatur. 9. Die Divina Commedia im Lichte der modernen Denkart. Köhler erweist sich auch in der Anlage dieses Büchleins als Systematiker. Indem er die Vorstellungen der Kulturvölker über das Jenseits abschreitet, fesseln ihn — im Hinblick auf Dante — überall jene Helden in Mythus und Legende, welche das Jenseits bereisen oder erschauen: Gilgamesch, der die Wasser des Todes befährt, Istar, die zur Untenveit steigt, der indische König Vipagit (bei Landau S. 181), Arda Wiraf der weise Parsi, Odysseus in der Nekyia, Aeneas im Hades, Enoch ,,the jewish prototype of Dante", Abraham in der Abrahamapokalypse, Moses (Assumptio Mosis), Jesus im Limbus (s. den inhaltsreichen Abschnitt bei Landau 262—273), Peter (in der Peterapokalypse), Paul (in der Paulusapokalypse, 1 Als Vorarbeit hätte ihm vorzüglich dienen können: Dr. Marcus Landau, Höhe und Fegefeuer in Volksglaube, Dichtung und Kirchenlehre, Heidelberg 1909, da ja Landau sowohl die italienische als auch die hebräische Literatur kannte. Doch ich finde bei Köhler keinen Hinweis auf Landau.

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