Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 489 (sequence 14)
- Language
- German
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489 Die Vorstellung, daß der Messias den seiner Harrenden entrückt oder gar durch den Tod geraubt wird, muß befremden. Man kann doch eine bedrückte, rettungssehnsüchtige Gemeinschaft nicht damit trösten, erheben, daß ihr ein Erlöser kommt, der aber verschwindet oder stirbt, ehe er sie erlöst hat. Isr. Levi meint, eine so verblüffende Anschauung läßt sich nur aus einer großen geschichtlichen Enttäuschung erklären; ein erhoffter Retter ist tatsächlich jäh dem Volke entrissen worden. An Bar Kochba aber läßt sich dabei nicht denken, denn im II. Jahrhundert muß diese Vorstellung im Volksglauben schon tief verankert gelebt haben. 2. Dämonen• Gefallene Engel, Leo Jung, Fallen angels in Jewsh, Christian and Mohamtnedan Literature. A study in comparative Folk-lore. J. 0. R. New Series. XV (1924/25) 467—502, XVI (1925/26) 45—88, 171—205, 287—336. Nach einer Einleitung über Haggada, über ihre Unverbindlichkeit, über Haggada im Judentum, im Christentum und im Islam, werden folgende Kapitel geboten: 1. Die Natur der Engel. 2. Zweierlei Satan (der jüdische und der christliche). 3. Der Satan. 4, Widersetzt sich der Schöpfung des Menschen. 5. Der Sündenfali des Menschen. 6. Aschmedai. 7. Der Sturz der Engel. Für jeden Gegenstand werden die jüdischen, kirchlichen, muhammedanischen, zuweilen auch die persischen Ueberlieferungen angeführt in Uebersetzungen, aber in ganzer Ausdehnung: Bibel, Apokryphen, Neues Testament, Aggada, Kirchenväter (bes. Augustinus, Gregorius), Koran, Tabari, Zamachschari, Kazwini, Pseudo-Balchi (ed. CI. Huart). Jung geht von dem Satz aus und kehrt immer zu ihm zurück, daß das Judentum eigentlich nur gute Engel kenne; Engel, die sich Gott widersetzen oder gar gegen Gott auflehnen, könne sich die alte jüdische Anschauung gar nicht vorstellen. Selbst Satan wolle nur das, wozu Gott ihn bestellt, Satan sei auch nicht böse, weder im Falle, wo er als Ankläger gegen den Hohepriester Josua, noch wo er gegen Hiob auftritt. So sei auch die Vorstellung in der Aggada geblieben: die Engel raten ab, den Menschen zu erschaffen, aber eben aus sittlichen Gründen. Und nun, so meint Jung, trete uns im N. T., schon im Evangelium ein ganz anderer Satan entgegen, ein Satan, dem nebst Gott und Jesu die größte Bedeutung im Evangelium zukomme, ein Satan, der das Böse um des Bösen willen zum Leitsatz erhebt, der das Reich des Bösen gründen möchte. ,,Der Satan unserer Bibel ist ein Teil des Monotheismus; es gibt nur eine Macht: Gott. Der Satan des N. T. entstammt mehreren Quellen. Babylonische und griechische Mythologie mußten beisteuern. Diese Kräfte wirkten an der hebräischen Heiligen Schrift nicht mit. Griechisches und persisches Schrifttum begannen erst mitzuspielen, nachdem der größere Teil der hebräischen Bibel geschrieben. Sie haben einen Anteil an den Apokryphen, werden von der Aggada abgestoßen, dringen nur spärlich ein, in späteren Quellen erscheinend“ (XV, 498, 499). Schon für die Bibel, meine ich, hat Jung nicht recht. Im Buche Hiob handelt der Satan nicht weniger gegen den Willen Gottes als