Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 488 (sequence 13)
- Language
- German
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488 Der lebendige Ziegel. Das Martyrium der Sieben. Die Legende vom Prophetenknaben. Der Märtyrerknabe Gadiel. Aus dem Nachwort der getreuen Mitarbeiterin und Uebersetzerin, der Gattin (nunmehr Witwe) des Verfassers, Frau Berdiczevski (Rahel Ramberg), erfahren wir, daß das Büchlein noch während des Krieges entstanden ist. Die getreue Arbeitsgefährtin hat nach dem Tode bin Gorions auch dieses Werk ihres Gatten kunstvoll übersetzt und sorgfältig herausgegeben. Die Quellen sind wieder genau angegeben und die Literatur bis in die Nachkriegszeit berücksichtigt. Bei einem volkstümlichen Buche mag es auffallen, daß manche Sagen gleich in mehreren Fassungen geboten werden, so z. B. die Sage von Menachem, der am Tage der Zerstörung Jerusalems geboren worden, so auch von dem in Aegypten in den Ziegel hineingekneteten Kinde. Einer Sammlung von Messiassagen tritt man gewiß mit der Erwartung von etwas Tröstlichem, Verheißungsvollem, Sonnigem entgegen. In Wirklichkeit haben diese Sagen etwas Drückendes, Beklemmendes. Eine feierliche Stimmung mystischen Ernstes ergießt sich über das Ganze. Der entrückte Messias. Israel L6vi, Le Ravissement du Messie ä sa naissance (REJ 1922, LXXIV, 113—126), Le Ravissement du Messie-Enfanf dans le Pugio fidei (REJ 1922, LXXV, 113—118), Le Ravissement du Messie-Eniant (REJ 1923, LXXVII, 1—11). Der Altmeister jüdischer Sagenkunde vergleicht das XII. Kapitel der Apokalypse Johannis, in welchem die gebärende Frau (Israel) mit ihrem Sohne (dem Messias) flüchten muß, die rätselhafte Aggada von Menachem, dessen Mutter klagt, ihr Sohn sei am Unglückstage des Falles von Jerusalem geboren und vom Winde weggetragen. (Jer. Berachot 5a, Echa R. zu 16), das Buch Zerubabel (dem Isr. Levi eine besondere Untersuchung gewidmet hat (REJ 1914, LXVIII, 129—160,1919, LXIX, 108—121,1920, LXX, 57—65), wo Chefzi bah, nach dem Tode ihres Sohnes, des Messias Sohnes Josephs, dem Anti- Christ widersteht, die Legende von der Begegnung R. Josua b. Levis mit dem verborgenen Messias in Rom (B. Sanhedrin 98a), die Aggadot über den Messias, den Sohn Josephs, der bald als Mitarbeiter an dem Erlösungswerke des Messias b. David, bald wieder als dem Tode geweiht erscheint. Eingehend wird besonders die Menachemlegende auf ihre (zum großen Teil folkloristischen) Bestandteile untersucht und die Unechtheit des Textes im Pugio fidei nachgewiesen. Das Ergebnis seiner eindringlichen Forschung faßt Isr. Levi selbst folgendermaßen zusammen: ,,Die palästinische Erzählung von der Entrückung Menachems bietet uns die volkstümliche Entstellung des Bruchstückes einer Apokalypse, welche die Gemeinde Israels mit den Zügen einer Mutter darstellt; diese Schrift oder diese Ueberlieferung dient zur Grundlage für das XII. Kapitel der Offenbarung Johannis sowie des Buches von Zerubabel; das Schicksal dieses Glaubens, ob nun aufgezeichnet oder nicht, bezeugt das Vorhandensein einer Volkstheologie, die sich durch Jahrhunderte fortpflanzte, ehe sie sich in der Literatur festsetzte/'