Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 484 (sequence 9)
- Language
- German
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484 welchem Salomo den mit dem Tode bedroht, der ihm den Tod seiner Mutter kund tut; da wird ihm gemeldet, das Haus, in welchem er gewiegt worden, sei umgestürzt, — woraus ex weiß, daß seine Mutter gestorben ist (S. 51—53), — ähnlich wie beim Tode Rabbis: אתון קאמריתו ואנא לא קאפדנא Ketuböth 104a1. Aus dem Bulgarischen führt Seymour folgende schöne Legende an. Wie einmal vom Leben nach dem Tode die Rede ist, meint David, es sei für die Väter ein Glück, wenn sie tugendhafte Kinder hinterlassen, deren Verdienst den Eltern im Jenseits zugute kommt. Salomo will seinen Vater eines Besseren belehren. Bei einem nächtliehen Auszug läßt er im Dunkeln David von 40 Dienern mit Fackeln begleiten, doch gebietet er den Begleitern, sich mit den Fackeln immer so weit hinter David zu halten, daß Davids Weg unbeleuchtet bleibe. Der König stolpert, strauchelt im Finstern herum. Zu Hause beschwert er sich bei Salomo über das Verhalten der Diener. Da sagt Salomo: das Licht hinter dir hat dir nicht geleuchtet; dies veranschaulicht die Wahrheit, daß wenn ein Mann stirbt, sich die Almosen seiner Kinder nach seinem Tode als unwirksam erweisen — gleich Fackeln, die hinter einem leuchten. Nur was du mit eigener Haiid gibst, findest du in Gottes Gegenwart wieder (Seymour S. 43, 44). Ich kenne keine jüdische Legende, die dieser bulgarischen zum Vorbild gedient hätte, und doch gewinnt man den Eindruck, als ob es sich um dieDeutung desProphetenwortes handelte: deine Gerechtigkeit wandele vor dir (Jes 5881). Seymour gibt überall die Quelle eines jeden Stückes an. Ueber Sagengeschichte bietet er weniges und auch dies scheint nicht unanfechtbar. Die Quellen der Sagen bei Josephus möchte er bei Dius und bei Menander von Ephesus suchen, wo doch in Josephus sich die Aggada seiner Zeit spiegelt. Auch wird man schwer von Seymours Ansicht zu überzeugen sein, daß manche der von ihm gebotenen Sagen bereits beim Leben Salomos im Umlauf waren (S. 8). Der Verfasser, ein irischer Priester, ist des Hebräischen nicht unkundig. Für die jüdische Literatur fand er Berater in M. Gaster und in Adolf Büchler, ־— Berater also, wie er sie trefflicher auch außerhalb Englands nicht hätte finden können. Es ist zu bedauern, daß Seymour die damals schon erschienenen Exempla of the Rabbis von Gaster nicht benützte. Er hätte seine Honey-Pots (S. 17) an Gasters Nr. 403, seinen Two-headed Man (S. 23-—25) an Gasters Nr. 113 und 392, seinen True son (S. 26, 27) an G. 311, seinen Theft of the Gold (S. 27—29) an G. 111, 112, seinen Man and the Snake (S. 29, 30) an G. 441a, sein misogynes Märchen (S. 43—45) an G. 328, die Erzählung von Salomo und den Ameisen (S.;82) an G. 343, seinen The Cocks Advice (S. 102—104) an G. 449 anknüpfen können, wodurch gleich reiche bibliographische, folkloristische Hinweise gewonnen werden. Für die schöne Erzählung ,,The Widow and the Wind“ (S. 18) hätte er bei Gaster Nr. 444 eine vollständigere Fassung gefunden. Für den Folkloristen hebe ich einige Stoffe hervor: The Goose- Stealer, der Gänsedieb, der, wie von Gansfedern die Rede ist, nach 1 S. M. Gaster: Ihr saget es, nicht ich. Germania 1880, XXV, 287, 288.