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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 6 · p. Seite 483

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 6
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 483 (sequence 8)
Language
German
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483 die Tiere. VI. Auffindung des Schamirs. VII. Der Bau des Tempels. VIII. Salomo und die Königin von Saba. IX. Die Tochter Pharaos. X. Salomo im Exil. XI. Salomos Tod. Die Quellen, aus denen sich das Buch nährt, fließen aus dem Gebiete vieler Religionen und Völker zusammen. Seymour geht gewöhnlich von den Worten der Bibel aus, doch dann folgt in bunter Reihe nacheinander Jüdisches, Christliches und Muhammedanisches; Hebräisches, Arabisches, Aethiopisches, Armenisches, Persisches, Türkisches, Keltisches, Estnisches, Bulgarisches, Malayisches. Die englischen Ueberlieferungen über Salomo und Saturn, die europäischen über Salomo und Markolf werden verwertet. Der Islam hat reichlich zur Ausbildung der Salomosage beigetragen. Sagen, die Seymour mittelbar aus hebräischer Quelle schöpft (z. B. aus Wünsches Ruth Rabba, der sie aus Jellineks Beth ha-Midrasch übersetzt) fließen oft aus arabischer Vorstellung, so auch ein Teil der Scharfsinnproben, der salomonischen Urteile1. Christlicher Einschlag verrät sich durch das Auftreten Christis (S. 83), durch Golgatha TS. 73), das Kreuz (S. 144, 145). Seymour hebt mit Recht hervor, daß manches sich an Salomo anknüpft, was anderswo auf Alexander den Großen, Chosru, Moses,. Dschemschid bezogen wird; so wird z. B. das Urteil über den ausgegrabenen Schatz, den der alte und der neue Besitzer einander anbieten, und den sie schließlich als Heiratsgut ihren Kindern geben, — öfters Alexander dem Großen zugeschrieben, — bei Seymour (S. 18,19) dem König Salomo. Das Wunder des aufblühenden Stabes, welches die Bibel (Num 1716־■^) zur Beglaubigung des Priesterrechtes Aarons geschehen läßt, soll auch Salomos Anrecht auf den Thron bekräftigen (S. 22, 23). Das Märchen von den Boten des Todes (Grimm KHM 177, Bolte-Polivka III, 293) wird eben auf Davids Sterben angewendet (S. 23). Zuweilen ist ein Zug Salomo nur so angeflogen. So hängt das Märchen von Sejf al-mulük in 1001 Nacht nur lose mit Salomo zusammen; es handelt sich um unfruchtbare Frauen, die durch eine wimderwirkende Speise Kindersegens teilhaftig werden (ein dem Brüdermärchen geläufiger Zug), — da fällt nun Salomo die Aufgäbe zu, diese Wunderspeise ausfindig zu machen (S. 38). Manchmal gar wird Salomo etwas angedichtet, was seinem Wesen in der Sage, was der kanonischen Ueberlieferung grell widerspricht. In einem förmlichen Fabliau wird ihm von einem verehelichten Weibe heimgeleuchtet, dem er nachstellt: Salomo muß in einem Korb zwischen Himmel und Erde zappeln (S. 167). — Verblüffend wirkt auch folgende Sage: als dreijähriges Kind vermißt sich Salomo seiner Mutter ins Gesicht zu sagen, die Seele einer Frau sei leichter als eine Hand voll Späne; die empörte Mutter ordnet an, daß man das Kind töte; doch, wie dies im Märchen üblich, die grausame Auftraggeberin wird getäuscht, indem man ihr das Herz eines Hundes anstatt des Herzens Salomos bringt (S. 14, 15). Viel näher steht der überlieferten Denkweise jenes irische Märchen, in 1 So z. B. das Urteil über die Herde, die des Nachbars Feld abfrißt (S. 19, 159) s. Grünbaum, Neue Beiträge zur semitischen Sagenkunde S. 189. Ueher die Sage, daß der böse Geist ins goldene Kalb fährt, so daß das Kalb läuft und brüllt s. MGWJ 1925, LXIX, 52—54.

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