Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 482 (sequence 7)
- Language
- German
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482 Jedenfalls gebührt Gerhard Kittel das Verdienst, daß er die Sage vom Sarge Josephs in den Kreis der religiösen Berührungen des ägyptischen Judentums mit dem hellenistischen Synkretismus rückt. Er sieht hier das Musterbeispiel eines religionsgeschichtlichen Zusammenhanges, bei dem sich auch die Art des Ueberganges ahnen läßt. Natürlich hat die Aggada nicht Plutarchs Abhandlung über Isis auf sich einwirken lassen. Sondern ägyptische Juden waren zugegen bei den herrlichen Gebräuchen und Gesängen des Osiris־ festes. Nach ihren Sinneseindrücken schmückten sie die Legende vom Sarge Josephs mit neuen Zügen aus. 3. Simson• Dr. Edelstein Bertalan, Samson alakja a bibliäban es az agädäban (== Simsons Gestalt in Bibel und Aggada), Magyar Zsido Szemle 1926, 131—141. In der ungarischen Blau-Festschrift widmet Dr. Edelstein der Gestalt Simsons einen geistvollen Aufsatz. Vom biblischen Simson war ja bereits oben (S. 406, 407) die Rede. Edelstein hebt besonders die Züge einer derben Komik hervor. Die Aggada über Simson läßt sich B. Sota 9—10 und Jer. Sota 17a, b leicht überblicken und aus dem Midrasch, besonders dem älteren, mehrfach ergänzen. Da fährt gleich der Vater Simsons recht schlimm: Manoach hat gar keine Schulbildung bekommen, ,,geht dem Weibe“, d. h. den Weibern nach, belastet daher seinen Sohn erblich. Die an sich märchenhaften Züge des biblischen Simson werden ins Groteske gesteigert, die Maße seines Körpers wachsen ins Ungeheure: auf seinen Schultern von 60 Ellen kann das Tor von Gaza bequem Platz finden; wenn der Geist in ihn fährt, schlagen seine Haare aneinander, daß es von Zor'a nach Eschtaol klingt; er wandelt mit Siebenmeilenschritten und schlägt Berge aneinander wie andere Menschen Schollen. Die Bibel läßt ihn 20 Jahre sein Richteramt ausüben, die Aggada 40 Jahre: Israel wurde 20 Jahre durch den lebenden Simson, 20 weitere Jahre durch die Furcht vor dem toten Helden geschützt. Er wird den Philistern, die Weiber der Philister werden ihm zum Verhängnis. Er büßt, wie er. gesündigt. Der göttlichen Gerechtigkeit ist Genüge getan. 4. Salomo• St John D. Seymour, Tales of King Salomon. Oxford, Unh versity Press 1924, 191 Seiten, Preis geb. 4/6 net. Seymours schönes Buch bietet ein mustergültiges Beispiel für ein volkstümliches Werk, das aus der Fülle der Gelehrsamkeit mit wissenschaftlichem Ernst geschöpft, mit schriftstellerischem Feingefühl ausgeführt ist. Seymour versucht, die Sage über alle Wendungen im Leben Salomos sich äußern zu lassen. Eine Art ,,Histoire poetique et legendaire de Salomon“. Seymours Werk umfaßt folgende Kapitel: I. Salomos Geburt und Urteile. II. Salomos Weisheit und Wissenschaft. III. Salomos Macht und Pracht. IV. Salomos Zauberteppich. V. Salomo und