Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 481 (sequence 6)
- Language
- German
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481 bekehrten כד' צדק, Joseph zum Sinnbilde Gesamtisraels. Apt. geht noch weiter: Osnath sei eigentlich Helena, die zum Judentum übergetretene Königin von Adiabene, das Apokryphon sei im I. Jahr־־ hundert unter dem Eindrücke der Bekehrung Helenas zum Judentum entstanden. Ich gestehe, gegenüber der sinnbildlichen Deutung ,hege ich ernste Bedenken, — die Gleichsetzung Asenaths mit Helena muß ich entschieden ablehnen. Doch wenn ich auch Apt. im dichterischen Fluge, den seine Phantasie gegen den Abschluß zu nimmt, nicht folgen kann, — so will ich doch freudig anerkennen, daß in der vorhergehenden eigentlichen Untersuchung Aptowitzer sich als Meister der jüdischen Sagenkunde bewährt. Gerhard Kittel, Die Probleme des palästinischen Spätjudentums und das Urchristentum. Stuttgart, W. Kohlhammer 1926. Erst bei der Korrektur dieser Sammelbesprechung kann ich kurz auf einen für unseren Gegenstand bemerkenswerten Abschnitt in Gerhard Kittels neuestem Werk hinweisen. Der Abschnitt (S. 82 bis 87 und 169 bis 194) hat zum Gegenstand: ,,Das Josefsgrab im Nil" (Josef und Osiris). In der Auseinandersetzung mit Horovitz kommt Kittel zu einem ähnlichen Ergebnis wie mein gleichzeitiger Aufsatz ,,Die Sage vom Sarge Josefs und der Bericht Benjamins von Tudela über Daniels schwebenden Sarg" oben S. 271—276. Kittel gibt die Literatur an (S. 83, Anm. 4) und teilt in der Beilage alle Texte, welche seine Vorgänger, am reichsten eben Jakob Horovitz, zusammengestellt haben, in deutscher Uebersetzung mit. Seine methodischen Untersuchungen bekräftigen Güdemanns Satz von dem Zusammenhänge zwischen der Legende vom Sarge Josefs und zwischen dem Osirismythos. Beide Sagen weisen folgende gemeinsame Züge auf: 1. Der Sarg wird in den Nil versenkt und kommt nicht ans Land. 2. Der Sarg wird doppelt verschlossen. 3. Der Nil wird durch die darein versenkte Leiche gesegnet. Ein Zug, der doch natürlich dem Osirismythos ursprünglich angehört und für Josephs Sarg übernommen wurde. 4. Der Sarg wird eine Zeit lang vergehlieh gesucht. Kittel meint, es müsse noch erwogen weiden, ,,ob die Erzählung, wie Mose drei Tage imd Nächte lang suchend um die Stadt läuft, bis er schließlich müde Serach trifft, nur Ausschmückung der Legende ist." Ich habe oben S. 275 die Uebereinstimmung in diesem anscheinend bedeutungslosen (für die Josephssage auch wirklieh unbedeutenden) Zug als schlechthin entscheidend bezeichnet. 5. Ebenso erscheint der Zug von den bellenden Zauberhunden, die von Moses unschädlich gemacht werden, für die Josephsage bedeutungslos, — wohingegen die Hunde zum Aufzug der Isis gehörten. Von der arabischen Legende über den Sarg Josephs nimmt Kittel mit Recht an, sie sei unmittelbar »aus der jüdischen Ueberlieferung geflossen. Doch, glaube ich, werden ihn inzwischen meine Ausführungen oben S. 275—276 davon überzeugt haben, daß die islamische Legende in einer Richtung über das jüdische Vorbild hinausgegangen ist und auch ihrerseits auf die spätere jüdische Sage eingewirkt hat. Monatsschrift, 70. Jahrgang. 31