Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 479 (sequence 4)
- Language
- German
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479 Kunst- und Volkssage zurück (S. 178, 179). Ich meine, die Frage ist durch Vergleichung von Fall zu Fall zu entscheiden. Wenn eine Sage bei verschiedenen Völkern Wurzel faßt, ist sie wahrscheinlich Volkssage. Auch für die Sagenvergleichung bietet Aptowitzers schönes Buch reichlich Stoff und Belehrung. * Die Grundsätze, welche A. im Vorwort zu seinem ״Kain und Abel" auf stellt und in der Bearbeitung verwertet, finden weitere Anwendung in A.s Abhandlung über Malkizedek (MGWJ 1926, LXX, 93—113), wo er in den Sagen über Malkizedek den Kampf zwischen jüdischen und christlichen, zwischen jüdischen und samaritanischen Anschauungen schildert1. * Ganz kurz sei noch des aller jüngsten Aufsatzes von Aptowitzer gedacht: Les premiers possesseurs de Canaan. Legendes apologetiques et exegetiques in der Festschrift zu Ehren Israel Levis: REJ 1926, LXXXII, 275—286. Das Anrecht Israels auf das Heilige Land wird in der Aggada, bei Josephus, bei den Kirchenvätern (Ephraem Syrus, Epiphanias) verschiedenartig begründet: 1. Kanaan war wohl der ursprüngliche Besitzer des Landes, ging aber durch seine oder seines Ahnen (Chams) Sünde seines Besitzrechtes verlustig. 2. Das Heilige Land war von allem Anfang an Sehern zugedacht. Bei den verschiedenen Begründüngen setzt Apt. als Hintergrund eine polemische Absicht voraus, wie sie bei Josephus klar zu Tage tritt und auch aus der Aggada B. Sanhedrin 91a herausfühlbar ist. 2m Joseph und seine Frau Osnath2• Dr. V. Aptowitzer, Asenath, the wife of Joseph A haggadic literaryhistorical study. (Hebrew Union College Annual I, 1924, 239—306.) Eine wunderbar eingehende Untersuchung hat Apt. der Sagengestalt der Gemahlin Josephs gewidmet, die in der Bibel אפנת בת פומיפרע heißt (Osnath, in der Septuaginta: Aseneth). Die Aggada stößt sich daran, daß Joseph, der fromme Joseph, eine Heidin geheiratet habe. Nimmt sich ja die Ueberlieferung schon redlich Mühe, selbst die Ehe Judas mit einer Kananiterin, die doch biblisch bezeugt wird, wegzudeuten. Im Falle Josephs hilft sich die Aggada auf dreierlei. Art: 1 Auch Muhammedanisches scheint in die Malkizedek - Sage eingedrungen zu sein: die Legende, daß Adam von Gott mit einem Priestergewande bekleidet wurde und dieses Gewand sich weiter vererbte auf Seth, Methuschelach, Noe, Sem (=Malkizedek), Ahraham (MGWJ 1926, 107), — diese Legende erinnert an den Traducianismus der Schiften, daß eine göttliche Substanz sich von Adam bis auf Ali und die Imäme vererbte, — eine Lehre, die dann in Juda Hallevis Anschauung von der Vererbung des ’Amr Illahi innerhalb der סגלה ihr jüdisches Seitenstück findet. 2 Hier wäre auch das durch Geist und Gelehrsamkeit ausgezeichnete Buch von Dr. Jakob Horovitz, ״Die J 0 s e p h s e r z ä h 1 u n g!־ (Frankfurt a. M. 1921) zu besprechen, zumindest sein Schlußkapitel: ,,Die haggadischen Ueberlieferungen über das Grab Josephs.“ Doch mit diesem Abschnitt haben wir uns in einem besonderen Aufsatz dieser Monatsschrift befaßt. (MGWJ 1926 LXX, 274—276). S. unten S. 481, 482.