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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 6 · p. Seite 478

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 6
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 478 (sequence 3)
Language
German
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478 Vieles bieten die Nachträge. Die Antipoden als Nachkommen Kains führen zur Aschmodaisage und zu den zweiköpfigen Antipoden (S. 179). Als Beispiel für Frühreife, für Wunderkinder wird Abraham, Samuel, Zoroaster, Indra, Wali (Odins Sohn), Herakles, Apollo, Jesus angeführt (S. 181). Als Beispiel für Brüder, die im Mutterleibe streiten, dient auch Akrisios und Proitos (S. 182)1. Apt. sucht überall Zusammenhänge, überall Absicht und Planmäßiges. Hier und da reißt ihn, glaube ich, sein ungewöhnlicher Scharfsinn zu weit. Er beobachtet richtig, daß Abel und Henoch von der Aggada nicht begünstigt werden2. Das erklärt Apt. aus dem Gegensatz zur Kirche. Da Abel der Kirche zum Vorbilde Jesu dient und auch Henoch verehrt werde, habe sich die jüdische Sage gegen sie gewendet. Diese Beweisführung überzeugt nicht. Die älteren Tannaiten konnten doch nicht ahnen, welche Bedeutung Abel und Henoch für die Kirche gewinnen werden. Die Erklärung scheint mir viel einfacher. Die Aggada erhebt sich nicht zur Unbefangenheit der Heiligen Schrift gegenüber vorjüdischen, außerjüdischen Frommen; Abel und Henoch fahren nicht besser als Noe (nach R. Jochanan) und Hijob. Besonders aufschlußreich wird Aptowitzers Buch dort, wo er die gegenseitige Wirkung einerseits der Aggada, andererseits der kirchlichen und muhammedanischen Legende nach weist, rauhammedänische Einwirkung vorzüglich in den Pirke R. Eliezer3. Doch Apt. begnügt sich nicht mit der Zusammenstellung der Sagen. Ihm geht es, wie er gleich eingangs fühlen läßt, um Probleme. Er möchte denUrsprung der Sagen, den Weg ihrer Wanderung und Rückwanderung erforschen (VI, VII, 81, 178). In der Lemechsage erblickt er eine (exegetische) Kunstsage, in der Kainsage hingegen echte Volkssage. Er meint: je enger sich eine Sage an das Wort der Schrift knüpft, um so wahrscheinlicher handelt es sich um eine exegetische Kunstsage; je freier sie der Schrift gegenüber bleibt, um so wahrscheinlicher ist es eine Volkssage. Ich glaube, dieses Kriterium erweist sich wenig verläßlich. Man hat es von jeher meisterhaft verstanden, alles in der Bibel zu finden. Ich selbst habe hierfür Beispiele zusammengestellt in der REJ 1923, LXXVII, 112, 113. Eines davon führe ich hier an. Allgemein verbreitet ist das Märchen vom irrigen Urteil, welches (im Märchen gewöhnlich durch die kluge Bauerntochter) berichtigt wird. Das entsprechende hebräische Märchen läßt den Irrtum durch David begehen und durch Salomo gut machen, anlehnend an das Psalmwort: ,,Von Salomo, Gott gib dein Urteil dem König, deine Gerechtigkeit dem Königssohne (Ps 72!). Apt. selbst kommt in den Nachträgen auf die Schwierigkeiten der Unterscheidung zwischen 1 Ueber diesen Streit der Zwillingsbrüder siehe jetzt auch meinen Aufsatz: Der Erbstreit Es aus und Jakobs im Lichte verwandter Sagen. ZATW 1926, XLIV. 2 Besonders scharf urteilt Chama bar Hoschaja: Henoch wurde nicht ins Verzeichnis der Frommen, sondern ins Verzeichnis der Bösen eingetragen. Gen. R. 25,1. 3 MGWJ 1925 LXIX, 47—52, suchte ich ,,Muhammedanisches und Antimuhammedanisches in den Pirke Rabbi Eliezer“ nachzuweisen; meine These hätte durch die Ergebnisse der Forschung Aptowitzers vielfach gestützt werden können.

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