Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 477 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829935-2829942-2833677--47246-2833741- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
477 .מדד, nach der Anschauung von der Sünde Kains, von dem Werkzeug, mit dem er seinen Bruder getötet, ändert sich die Anschauung von seiner Strafe. . Auch auf das Gebiet der Etymologie läßt sich Aptowitzer verleiten (S. 125 über die Sinnesänderungen der Wurzeln פתח und כרה). Andererseits geht er der Darstellung des Brudermordes auch in der bildenden Kunst nach1. Nebenbei möchte Apt. auch die hinsichtlich der Geschichte der hebräischen Akzente herrschende Anschauung umstoßen, indem er nachzuweisen sucht, die Akzente wären schon im V. oder VI. Jhdt. verbreitet gewesen (S. 92, 93). Doch diese kühne Aufstellung ist auf schwankenden Grund, auf eine unklare Aeußerung Procops von Gaza gebaut. Eine so tief eindringende Behandlung kann sich auch stofflich nicht auf den eigentlichen Gegenstand beschränken. Im Anschluß an Kain wird auch die Lemechsage eingehend und anziehend erörtert im Anschluß an Abel auch die Henochsage. Der Sagenforscher findet mannigfache Anregung und Belehrung. Für die Vorstellung vom Feuer, das vom Himmel auf den Altar fährt und das Feuer verzehrt, ein Gegenstand, dem Saintyves den ersten Aufsatz seines Werkes widmet (s. oben S. 395, 396), findet A. folgende Beispiele in der Aggada behandelt: Abels, Noas, Nadab und Abihus, Manoachs, Salomos, Elijahus Opfer (S. 41, 42, 145, 146). Saintyves weist mit Recht auch auf den Bund zwischen den Fleischstücken hin, durch die eine Fackelflamme fährt (Gen 1517), sowie auf das Feuer; welches Gideons Opfer verzehrt (Jud 621). Hinzuzufügen wäre noch die Flamme, welche vom Himmel auf Davids Brandopfer niedersteigt (I Chron 21x1). Die heute landläufige Anschauung, daß von Abels Opfer der Rauch zum Himmel gestiegen sei, hingegen von Kains Altar sei der Qualm am Erdboden geschlichen, findet Apt. zuerst bei Byron (S, 183). Daß der blinde Lemech mit seinem Pfeile den gezeichneten Kain trifft, bietet A. Anlaß, die Sagen vom blinden Schützen zusammenzustellen: Balder wird von seinem blinden Bruder Höd erschossen, der blinde Longinus durchbohrt das Herz Jesu (S. 63, 64,159, bes. 178)2. Wenn Philo meint, daß Kain überhaupt nicht gestorben sei (Apt. S. 84), so können wir hier eine Analogie zur Vorstellung vom ewigen Juden erblicken. Abels keusche Ehe (S. 120) erinnert an die Tobiasnächte, wie auch an einen bekannten Typus der kirchlichen Legende (h. Alexius, h. Emmerich von Ungarn). Kain wird in der Luft hängend gedacht, — Apt. führt mit Recht die Sage von den gefallenen Engeln Schemchazai und Azael an3. 1 Abel ׳mit einem Eselskinnbacken erschlagen. (S. 178). : 2 Kunstvoll wird dieses Motiv im arabischen Antarroman verwertet: Antar blendet seinen verstockten Gegner Wizr Ibu Dschäbir; Wizr übt sich im Pfeilschießen und trifft nach dem Geräusch den Vogel in der Luft, — von seinem Geschoß wird Antar tödlich getroffen. . י 3 Die Sage von Schemchazai und Azael führt weiter zur Sage . von Häruth und Märuth, s. Heiler, REJ 1910, LX, 201—212 L. Jung, JQR. N. S. XVI (1926) 295—310 G. Scholem, מדמי היהדות Jerusalem 1926, I, 114.