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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 6 · p. Seite 471

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 6
Article
Unveröffentlichte Aktenstücke zur Judenfrage auf dem Wiener Kongreß (1814-15)
Date
1926-01-01
Page
Seite 471 (sequence 15)
Language
German
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471 besonders dahin zwekken würden, Trennung der Gemüther unter Deutschen Unterthanen selbst zu entfernen, Ungleichförmigkeiten ein Ziel zu setzen deren Inconyenienzen anerkannt sind, und unter allen, welche auf Deutschem Boden gebohren sind, auf Deutschem Boden wohnen, ein festeres Band zu knüpfen, ich glaubte nicht zu irren wenn ich annahm, dass es in diesen Be- Ziehungen darauf ankommen würde, gewisse, jenen Criterien entsprechende Punkte festzustellen, dass in gemeinschaftlicher Beschlussnahme darüber keine Beeinträchtigung oder Verzichtung irgend eines Souverainitäts Hechtes erblickt werden könne, ja dass ohne Solche, überall kein auf innere Verfassung Bezug habender Vorschlag zur Sprache kommen, viel weniger noch erreicht werden könne. So wagte ich es nur dringender, die flehenden Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen jener vielen Tausende vorzutragen deren Schiksal jezt, oder nie, zur Sprache kommen wirdl Und so wage ich es im vollen lebendigen Vertrauen auf Ihre edeln und Menschlichen Gesinnungen Sie Höchstverehrtester Herr Geheimerath, um Ihren ganzen, so wichtigen, — mittelbaren und unmittelbaren Einfluss in dieser heiligen Sache der Menschheit zu bitten, so wage ich es Sie zu bitten Bich die unvergänglichsten Ansprüche auf den Seegen der Unterdrükten, auf die ehrfurchtsvolle ewige Dankbarkeit so unzählicher Familien, und selbst der kommenden Generationen zu erwerben, so wage ich Sie zu bitten Ihre Theilnahme, Ihre Unterstüzzung nicht zu versagen. Des Herrn Ministers Grafen von Grote Excellenz, hat mir die Hoffnung gegönnt, dass Ew. Hochwohlgebohren auch von einer Zweyten Bitte, welche ich des Herrn Fürsten Staats Kanzlers Durchlaucht in einer untertänigsten Vorstellung vorzutragen wagte, nicht ungeneigt Sich abwenden würden. Ich bin so kühn, diese Bitte, welche ich um die Bewilligung der Höchsten Intercession Sr. Durchlaucht des Herrn Fürsten Staats Kanzlers bey den Hanseestädten, für das Schiksal der dortigen Jüdischen Glaubensgenossen, auszusprechen mich unterfieng, Ihnen Höchstverehrtester Herr Geheimerath auf das Innigste und Dringendste zu äussern. Je mehr ich vielleicht fürchten müsste, dass von der allgemeinen Angeiegenheit der Juden in Deutschland, im nächsten Momente nicht die Rede in der Deutschen Committee seyn, und dieser Gegenstand vielleicht nach Monaten erst zur Sprache kommen könne, je mehr ich vielleicht dies fürchten müsste, ohne noch es besorgen zu wollen, je lebhafter veranlasst die wahrhaft unglükliche Lage der Israeliten in den Hanseestädten mich, nur flehentlicher dies Gesuch zu wiederholen. Alle Rechte welche sie während einer dreijährigen Gleichstellung mit andern Bürgern schon erworben hatten, sollen wieder ihnen verlohren seyn. In ein Joch der Unterdrülckung sollen sie aufs Neue geschmiedet werden, welches die Menschheit in ihnen herabwürdigt. Eben die Männer deren Söhne als Freiwillige an die Hanseatische Legion sich anschlossen, eben die Männer welche dem kaum erwachten Hanseatischen Gemein wohl die denkwürdigsten Opfer brachten, eben sie, sollen in einer Zeit da die Sonne der Freiheit und des Glükkes allenthalben leuchtet, U n g 1 ü k - licher werden wie sie es waren, gleich den Aussäzzigen auf gewisse Wohnbezirke beschränkt, der meisten bürgerlichen Rechte beraubt werden, wo alle bürgerlichen Pflichten auf ihnen liegen, gefesselt werden um dann ihnen vorzuwerfen, dass sie ihre Hände nicht gebrauchen, unterdrükt um die unseelige Folge des Drukkes als dessen Ursache auszugeben! Das menschliche Gefühl empört sich gegen diese Greuel, weiche denen der Inquisition wenig nur nachgeben! Zehntausend Israeliten welche die Hanseestädte bewohnen1 werden des Herrn Fürsten Staats Kanzlers Durchlaucht als ihren Retter, und Sie Höchstverehrtest er Herr Geheimerath als ihren Wohlthäter seegnen und 1 Die Zahl ist stark nech oben abgerundet. Die Volkszählung von 1810 ergab in Hamburg 6299 Juden (vgl. Haarbleicher a. a. O. S. 78). In Lübeck betrug —nach Angabe des Senats in seiner oben (Beil. VII Anm. 1 [od. 21]) angeführten Erklärung —gegen Ende der französischen Besetzung ״deren gesamte Kopfzahl ungefähr 260cc. Die junge bremische Ansiedlung zählte im ganzen zwanzig bis dreißig Familien.

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