Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Unveröffentlichte Aktenstücke zur Judenfrage auf dem Wiener Kongreß (1814-15)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 470 (sequence 14)
- Language
- German
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470 gelobte langjährige Miteinwohner eiferte, deren Söhne für Hanseatisches Gemeinwohl ins Feld zogen, welche die denkwürdigsten Opfer für dessen Beförderung brachten, und dennoch jezt wiederum in ein Joch geschmiedet werden sollen, welches nur schmerzlicher sich fühlen kann, nachdem es ihrem Haupt in einem' Zeitraum von Jahren entnommen war! Mit den Israelitischen Einwohnern der Hanseestädte mögen aber auch die Jüdischen Glaubensgenossen der Staaten Deutschlands in denen ihr bürgerlicher Zustand, zu gleichen Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen berechtigt, ihre Augen zu dem Grossen für Deutschlands Wohl versammelten Vereine erheben und. flehen dürfen, dass man ihre Fesseln sprenge, die Pforten gemeinnüzlicher Betriebsamkeit ihnen öffne, den Druck unter welchem sie seufzen vernichte, und wo sie redlich zum Wohle des Staates beitrugen, redlich die Pflichten der bürgerlichen Gesellschaft erfüllten auch deren Rechte ihnen vergönne. Nicht ungehört wird die Stimme dieser Hunderttausende verhallen! Zu den Weisen welche aus geschlossnem Rathe Völker beglücken, zu den Helden welche auf dem Schlachtfelde die Siegeskrone erwarben wagt sie sich zu erheben. Auch die künftigen Generationen nehmen mit ihr das Wort. Und aller Zeitalter Seegnungen werden auf dem grossen Augenblick ruhen, welchem die Wohlfarth der künftigen Geschlechter entkeimte 1 Wien den 9ten December 1814. Carl August Buchholz Dr. In Vollmacht Sämmtlicher Jüdischer Glaubensgenossen in den Hanseestädten. rx. Hochwohlgebohrner Hochverehrtester Herr Geheimerath!1 Am Ende des jüngstverflossenen Monates hatte ich die Ehre Ew. Hochwohlgebohren ein Schreiben Sr. Excellenz des Herrn Ministers Grafen von Grote zu übermitteln, mittels dessen derselbe die Gnade Latte mich bey Ihnen einzuführen2, ich habe nicht das Glück gehabt Ew. Hochwohlgebohren meine Ehrfurcht Persönlich bezeugen zu dürfen, und wage es jezt mich Ihnen schriftlich zu nähern, um Ihre Güte, Ihre Theilnahme, Ihren so gewichtvollen Einfluss für die vielen Tausende zu erflehen, als deren Stellvertreter ich spreche. Es ist Ihnen Höchstverehrtester Herr Geheimerath nicht unbekannt, dass ich der für die Deutschen Angelegenheiten, versammelten Committee eine Vorstellung zu übergeben wagte, in welcher ich das Gesuch auszusprechen mich unterfieng, dass für die Verbesserung des bürgerlichen Zustandes der Juden in Deutschland gewirkt, und ein Princip allgemein möge adoptirt werden, welches in der Preussischen Monarchie, im Königreiche Bayern, in Baden, Meklenburg, und einigen andern Provinzen wirklich schon vorherrscht. Je weniger gegen die Sache selbst vielleicht gesagt werden könnte nachdem die Jüdischen Glaubensgenossen aller Staaten längst alle bürgerlichen Pflichten erfüllten, und nach den Erfahrungen auch der neusten Zeit von keinen Anstrengungen und Opfern aller anderen Classen der Staatsbürger zurükblieben, je mehr vereinigten sich verschiedene Stimmen um die Competenz der Deutschen Committee in einer Angelegenheit zu bestreiten, welche allein den Gesezgebenden Gewalten einzelner Länder und Staaten anzugehören schiene. ich glaubte dennoch nicht zu irren, wenn ich annahm, dass da wo über die inneren Angelegenheiten Deutschlands in namentlichem Bezug auf künftige Verfassung berathen werden solle, auch solche Gegenstände zur Sache gehören dürften, welche von. Einflüssen auf alle Deutschen Staaten ohne Ausnahme sich bewähren, und wo die gemeinschaftlich darüber zu nehmenden Einflüsse 1 Wahrscheinlich ist hiemit Friedrich August Stägemann, der Mitarbeiter Hardenbergs in der Judenfrage am Kongreß gemeint, der insbes. als Verf. der preuß. Note vom 4. Januar 1815 von Wichtigkeit ist. Vgl. Judenfr. S. 88 Anm. 53 und passim. 2 Scheinbar hat Grote Buchholz eine zweite Empfehlung (außer der oben Nr. VI angeführten) für Stägemann mitgegeben.