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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 6 · p. Seite 468

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 6
Article
Unveröffentlichte Aktenstücke zur Judenfrage auf dem Wiener Kongreß (1814-15)
Date
1926-01-01
Page
Seite 468 (sequence 12)
Language
German
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468 ihnen vorwurf bilden würden, —nachdem durch1 die öffentlich sanctionirten Grundsäzze des grossen Sanhedrin von 1807 welches gleich den Goncilien bey den Catholischen Glaubens verwandten die gesummten Israeliten verpflichtet bestätigt worden: dass die Unterwerfung unter den Gesezzen des Staates eine religieuse Pflicht, und dass in der Israelitischen Religion gegründet sey, da wo ihre Bekenner als Bürger behandelt werden, sich den bürgerlichen Gesezzen auch des Givilrechts zu unterwerfen, und mit allen Bürgern und Unterthanen dem Staat und der Regierung treu, und aus allen Kräften willig und gehorsam zu seyn! Nicht länger darf man es annehmen, nachdem die Erfahrung namentlich in Preussen bewies, dass der Staat an den Israeliten treue anhängliche Unterthanen gewonnen habe, welche mit jedem Tage mehr die ihnen bewiesene wohlthätige Staatsachtung zu verdienen bemüht sind; und an den Anstrengungen aller Glassen der Staatsbürger Theil nahmen. Nachdem der Senat zu Hamburg in seinem Propositionsdecrete an die Bürgerschaft gemäss der sub No. 6 Unterthänigst angefügten Anlage, öffentlich bekundete, dass ihre in einem Zeiträume von drey Jahren erfolgte Gleichstellung mit andern Bürgern, nur die für das Gemeinwohl wohlthätigsten Folgen erzeugt habe! Endlich nicht länger darf man annehmen dass sie für die Fortschritte ihrer bisher durch harten Druck gehemmten Gultur zu wirken unbemüht bleiben würden, nachdem in den verschiedensten Gegenden Deutschlands, namentlich in Frankfurt am Mayn und Dessau Jüdische Philantropien gestiftet worden, welche als Muster der zweckmässigsten Erziehungsanstalten öffentlich anerkannt worden sind! Wenn der unsterbliche Herder in seinen Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit (Th. 4, S. 41) geweissagt hat: ,,Es wird eine Zeit kommen da man in Europa nicht mehr fragen wird wer Jude oder Christ sey, denn auch der Jude wird nach Europaeischen Gesetzen leben, und zum Besten des Staates beitragen, woran nur eine harte Verfassung ihn hindern oder seine Fähigkeit schädlich machen konnte,“ so scheint der erhabene gegenwärtige Zeitpunkt, in welchem Deutschlands Wohl und seiner Unterthanen Glück neu und bleibend gestiftet werden soll, gewiss auch derjenige, werden zu müssen, in welchem diese schöne Weissagung in Erfüllung gehn, und vor den Strahlen der Philosophie die Nacht dunkler, auf das Gemeinwohl schädlich wirkender Vorurtheile nicht bestehn wird. Wenn schon vor Jahren die denkendsten .Schriftsteller unserer Zeitalter in namentlicher Beziehung auf die Israeliten dargelegt hatten wie das Wohl der bürgerlichen Gesellschaften erfordere keinem ihrer Glieder den Fleiss zu wehren, und die Wege des Erwerbes zu verschliessen, wie verschiedene Grundsäzze über die Glückseeligkeit des künftigen Lebens, nicht in diesem bürgerliche Vorzüge und Lasten zur Folge haben müssen, und wie jener eigentümliche Characteristische Geist in welchem die Israeliten bey ihrer Verhängnisvollen Vermengung mit allen Völkern der Erde, kraft ihrer bisherigen Politischen Verfassung eine unterscheidende Selbstständigkeit bewahren mussten, unter günstigen Umständen und unter zwekmässiger Leitung־ des Staates zu einer wohlgeordneten Einstimmung, und einer idem Gemeinwesen höchst fruchtbaren Thätigkeit gestaltet werden könne; wenn erhabne Regenten anerkannt hatten, dass diese natürlichen und einfachen Wahrheiten richtig würdigen und ihnen beistimmen unzertrennlich sey, endlich wenn die Erfahrungen der blühendsten Länder bewährten, dass wirklich mit der Ursache auch die Wirkung aufhöre, w i rfli ch dann eintrete, wovon man nach psychologischen Gesetzen annehmen durfte, dass es eintreten werde, — so bliebe dem Zwecke der gegenwärtigen Unterthänigsten. Vorstellung hingewandt allerdings die Frage übrig: ״Oh eine bürgerliche Verbesserung der Israeliten in Deutschland, da wo sie noch nicht vorgenommen worden, auf gleichförmigen Wege möglich, nüzlich und nothwendig, und in wie ferne die für die Deutschen Angelegenheiten versammelte erhabene Committee sich competent erachten werde, einen Gegenstand in 1 Die ganze folgende Ausführung bis: ״gehorsam zu seyn“, ist wörtlich mit nur geringen, allerdings für Bucliholz charakteristischen Abweichungen vom angeführten Em an zip ationsentwuTfe des Hamburger Senates (a. 9. O. S. 186) abgeschrieben.

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