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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 6 · p. Seite 461

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 6
Article
Unveröffentlichte Aktenstücke zur Judenfrage auf dem Wiener Kongreß (1814-15)
Date
1926-01-01
Page
Seite 461 (sequence 5)
Language
German
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461■ L , Hochgebohrner . Insonders Hochzugebietender Herr Staats Kanzler! Die vielen Beweise von Gnade, welche ich mich von Euer Excellenz zu rühmen habe, Hochdero allgemein bekante humane Gesinnungsart, und die herzerhebende Rückerinnerung, dass ich vor mehreren Jahren schon so glücklich war, für die Isräliten Gemeinde zu Fürth bei Hoch Denenselben mit gutem־ Erfolge, eine unterthänige Fürbitte einzulegen, ,machen mich so dreist. Ew. Excellenz mit gegenwärtigem meinem unterthänigen Schreiben beschwerlich zu fallen. Meine Freiheit ist zwar sehr groß; indem Ew. Excellenz mit den wich-, tigsten Staatsgeschäften belastet sind, und jeder Augenblick Hoch Denenselben sehr theuer seyn muss; allein Ew. Excellenz jeder Zeit gegen mich geäusserten,. sehr gnädigen Gesinnungen lassen mich hoffen, dass Hoch Sie solche zu ver•* zeihen geruhen werden, und ich unterßtehe mich daher Ew. Excellenz die. Herren I. L Gumprecht1 Mitglied der Isralitischen Verwaltungs-Behörde, zu Frankfurt am Maine, und Carl Feist2 Grossherzogi. Nassau Ässingischen Gomerzien Rath beide Deputirte der Isralitischen Gemeinde obgenanter Stadt unterthänig zu empfehlen, und zugleich die ganz gehorsamste Bitte zu wagen, dass Ew. Excellenz so gnädig seyn möchten, dieselben in der ge-; rechten Angelegenheit, welche sie im Namen Ihrer Gemeinde mit Hoch Dero Erlaubniss Hoch Ihnen vortragen zu dürfen die Gnade zu haben .wünschen,] huldreichst zu unterstüzen. Euer Excellenz philantropischen Gesinnungen lassen mich mit Zuversicht hoffen, dass Hoch Sie eine Sache, wovon das Wohl vieler Tausenden abhängt; in Hoch Dero gnädigen und sehr mächtigen Schutze zu nehmen geruhen wollen, wofür unsre spädeste Nachkommenschaft,. Ew., Excellenz als ihren Wolilthäter erkennen und den schuldigen Dank zollen wird. Uebrigens bitte ich Hoch Dieselben gehorsamst die Gesinnungen der■* jenigen tiefen Verehrung zu genehmigen, womit ich nebst schuldigem Respect die Ehre habe zu beharren : . ד .. Euer Excellenz ■ל. unterthäniger Diener Pfeiffer •Marx .. . Weikersheim den 8 t. Mai 1814. Königl. Preuss. Hofagent. 11. . . Die Judenschaft zu Frankfurth a/M. besorgt, nach ihrer in Abschrift ehrerbietig angefügten Vorstellung vom 7-ten d., das Stillschweigen des Senats über ihre künftige Verhältnisse dahin .auslegen . zu müssen, dass man sie in ihre vormaligen drückenden Verhältnisse vielleicht wieder zurück zusetzen beabsichtige. Obwohl diese Besorgniss in dem Maasse, als sie geäussert wird, bei den Grundsätzen, die in den meisten Ländern in dieser Hinsicht neuerlich angenommen sind, wohl schwerlich Grund haben dürfte; so bescheide ich mich doch, dass die nähere Würdigung des Gegenstandes und die Beurtheilung, ob und welche diesseitige Verwendung hierunter, eintreten zu lassen, in allgemeineren Rücksichten angemessen sey. oder nicht; im hiesigen Standpunkt nicht überblickt werden kann, und stelle die Sache vielmehr lediglich zu Eurer Durchlaucht hoher Verfügung. *Berlin, den 19-ten September 1814.] ׳ v. Raumer3. 1 Isaak Jakob G., ein 1773 in Göttingen geb., seit 1799 in Frankfurt ansässiger Kaufmann hat in den Emanzipätionskämpfen der Frankfurter Judengemeinde und namentlich später als Deputierter:anf dem Wiener Kongreß eine ansehnliche Rolle gespielt. Vgl. über ihn Judenfr. insbes. S. 51 f. und die dort angeführte Literatur. 2 Vielleicht mit Carl Moses Feist, Sohn des reichen Weinhändlers Möses F., identisch. Vgl. A. Dietz, Stammbuch der Frankf. Juden (Frankf. 1907) S. 80. Dagegen spricht allerdings sein vermutliches, dem. genannten Titel kaum entsprechendes Alter. 3 Preußischer Staatsrat, der u. a. an den dem Preußischen Judenedikt von 1812 vorangegangenen Verhandlungen einen bedeutenden Anteil nahm, vgl. J. Freund, die Emanzipation der Juden in Preußen /Berlin 1912) I, 175 ff. II, 325 ff. ... .

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