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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 6 · p. Seite 459

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 6
Article
Unveröffentlichte Aktenstücke zur Judenfrage auf dem Wiener Kongreß (1814-15)
Date
1926-01-01
Page
Seite 459 (sequence 3)
Language
German
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459 Preußischen Geheimen Staatsarchiv1 — welches mir damals nicht zugänglich war — einige neue Aktenstücke gefunden, welche zwar das damals entworfene Gesamtbild nicht wesentlich verändern, in vielen Einzelheiten jedoch recht interessante Aufklärungen bieten. So hatte ich vor allem zu jener Zeit vergeblich nach der Eingabe des Deputierten der hanseatischen Judengemeinden, Carl August Buchholz (v. 9. Dezember 1814) gesucht, welche den eigentlichen Anstoß zur Behandlung der gesamtdeutschen Judenfrage am Kongresse gab, und auch sonst ein sehr interessantes ideengeschichtliches Dokument zu den Gedankengängen eines nicht jüdischen Vorkämpfers der Judenemanzipation darstellt (VIII). Allenfalls bestätigt sie meine damalige Vermutung2, daß sich Buchholz, im Gegensätze zur Eingabe der Frankfurter Deputierten, mit aller Macht seiner Beredsamkeit für die Gleichstellung a 11 e r deutscher Juden einsetzte. Das hinderte ihn jedoch nicht, daneben auch die besonderen Interessen seiner Auftraggeber zu verfechten. So sehen wir ihn hier in seinen Bestrebungen (VII und IX) erfolgreich, die leitenden preußischen Staatsmänner am Kongresse zu bewegen״ sofort, ohne erst die Beschlüsse des Kongresses abzuwarten, für die Juden der Hansestädte zu intervenieren. BaLd darauf erließ nämlich der preußische Staatskanzler Hardenberg jene gewichtige Note vom 4. Januar 18153, für welche sich Buchholz so lebhaft bedankt (XII). Interessant ist in diesem Zusammenhänge auch der Text der von Buchholz dem Kongresse vorgelegten, ihm von den Judengemeinden in Hamburg, Lübeck und Bremen ausgestellten Vollmachten (X), sowie die ihm mitgegebene Empfehlung des preußischen Gesandten, in Hamburg Grafen Grote an Hardenberg (VI). Aber auch schon vorher (21. September 1814) sehen wir hier einen anderen für die allgemeine. Judenemanzipation in Deutschland auf dem Kongresse in die Schranken treten: Israel Jacobson4. Seiner ganzen Art und Vergangenheit entsprechend wirft er das volle Gewicht seines persönlichen Einflusses auf Hardenberg in die Wagschale und ruft mit Pathos: ,;Das Schicksal der Israeliten muß auf dem Kongreß zu Wien zur Sprache kommen; sie können nicht wie im Westphälischen Frieden vergessen oder ganz übergangen werden“ (IV und V). Auch für die Frankfurter Judenfrage ergeben sich aus den neuen Akten einige belangreiche Tatsachen. So erfahren wir, daß schon am 8. Mai 1814, also zu einer Zeit, als die Rückschritte in Frankfurt noch nicht einen übermäßig großen Umfang angenommen hatten und jedenfalls noch vor der ,,Kapitulation der freien Stadt Frankfurt“ (vom Juli 1814), in welcher die Bestimmung über die Juden- 1 Fass. AA I Rep. VI—I Wiener Kongreß 1814/15 J. Nr. le. Bei dieser Gelegenheit ein Wort herzlichen Dankes an Herrn Archivrat Dr. Mayer für sein freundliches Entgegenkommen. 2 Judenfr. S. 69 f. 8 Abgedruckt in der zeitgenössischen Zeitschrift ״Sulamith“ IV, 1. S. 368 f. sowie bei J. Klüber, Akten des Wiener Kongresses (Erlangen 1815—19) I, 4, S. 77 1 Vgl. auch Judenfr. S. 87 ff; , 4 Danach ist Judenfr.1 ß. 48 Anm. 8 zu berichtigen.

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