Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die dogmatischen Grundlagen der jüdischen Religion
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 450 (sequence 11)
- Language
- German
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450 und Einheit aufweisen, kennen dieses Bindemittel nicht; und so bewegt man sich durchaus auf dem Boden des Irrationalen. Warum gerade das Judentum diese Grundlagen der Gesetzlichkeit besitzt, warum die Leugner des Prinzips dem Judentum stets verloren gehen, dassind Fragen, deren Beantwortung sich dem Forschen entzieht. Klar ergibt sich daraus aber, daß das Gesetzlichkeitsprinzip, das in der göttlichoffenbarten Thora als notwendiger Bestandteil jüdischer Auffassung anerkannt wird, mit zu den dogmatischen Grundsätzen der jüdischen Religion gehört! Der Logik, der sozialen Forderung und allen anderen Gesichtspunkten der Rechtfertigung entrückt, ist es Teil der göttlichen Offenbarung und jüdisches Dogma! Und wenn man es als Instrument der Verwirklichung, als Symbol des Tatjudentums zu begreifen versucht, so sei gegen diese Ausdeutung nichts anderes gesagt, als daß sie eben eine schöne Erklärung und Rechtfertigung eines längst Vorhandenen und Wirksamen darstellt. Wendet man sich schließlich zu den sachlichen Dogmen, zu denen, die den Inhalt religiösen Lebens ausmachen, so ist es naturgemäß nicht leicht, das System darzustellen. Und die wenigen Bemerkungen, die an dieser Stelle gegeben werden, wollen alles andere als erschöpfend sein. Die Schwierigkeit besteht vornehmlich darin, aus der unendlichen Fülle von Glaubenssätzen und Erzählungen jene Grundprinzipien herauszuschälen, die nicht mehr von anderen ableitbar sind, sondern die unmittelbare Offenbarungskraft in sich tragen, die direkt im Reiche des Göttlichen wurzeln, also im wahrsten Sinne, um das seit Al b o für das Dogma übliche Wort anzuwenden, ,,I k k a r i m‘f sind. An erster Stelle steht natürlich der oberste Grundsatz jeder Religion: ,,Gott ist“! Und soweit das W e s e n Gottes in Frage kommt, gesellen sich zu ihm die spezifischen jüdischen Dogmen: ״Gott ist einzig“ und ,,Gott ist transzendent״. Falsch wäre es aber annehmen zu wollen, daß damit etwa das Dogma von Gott erschöpft sei. Hier zeigt es sich am deutlichsten, daß im Judentum nicht Sätze und Ereignisse, sondern Begriffe und Anschauungen, fast möchte man sagen Richtungen und Wege der Anschauungen dogmatisch sind. Das Wesen Gottes ist ein ganzer Komplex von Vorstellungen. Maimonides führt in den dreizehn Glaubensartikeln außer der Einheit Gottes, noch seine Schöpferkraft, seine Unkörperlichkeit, seine Ewigkeit, seine Allwissenheit, seine Gerechtigkeit auf. Es ist aber ebenso klar, daß von diesen Seinsgrundlagen sich manche von einander ableiten lassen werden, wie daß diese Liste nicht vollständig ist, und leicht möglich wäre es, ein dogmatisches System vom Wesen Gottes aufzustellen, das sich von dem des Maimonides im Wesen und im Umfang erheblich unterscheidet. Wobei noch gar nicht davon gesprochen werden soll, inwieweit menschlicher Subjektivismus die Gottesvorstellung weniger empfindet als formt! In dieser Unbestimmtheit kommt aber zum Ausdruck, daß ein Spezifizieren der Eigenschaften Gottes dem Sinne der Offenbarung widerspricht, die in dem steten Zusammenwirken aller göttlichen Attribute, ihrem unzertrennbaren Einssein, gerade ein Wesentliches erblickt. Und von diesem Gesichtspunkte aus ist