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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 409

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 409 (sequence 25)
Language
German
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409 Doch das Werk als Ganzes atmet nicht bloß tiefes Verständnis, sondern auch innige Hochachtung für die Heilige Schrift. Hier und da nähert sich die wissenschaftliche Würdigung dem Pathos des Bekenntnisses. Da haben wir z. B. den Vergleich der Genesis mit den babylonischen Ueberlieferungen. ״Die Verfasser der Genesis haben die ungeheuerlichen grotesken Bestandteile in Legende und Mythos ausgetilgt, das Unkraut gejätet, die Blüten gepflegt, Schlacken ausgeschieden, im Schmelztiegel der Geschichte geläutertes Gold gewonnen/' Frazer stellt betreffs schriftsteUerischer Eigenart die Genesis neben Homer: ,,in beiden Fällen setze das feine künstlerische Gefühl ein feines sittliches Empfinden voraus, welches das Gute wähle, das Ueble verwerfe und indem es die gewählten Bestandteile im Schmelzofen der Vorstellungskraft löst, ihnen das unsterbliche Gepräge der Anmut und Vollkommenheit aufdrückt" (II, 394). Der Koran mutet F. wie schauerliche Wildnis an: ,,verglichen mit der glorreichen Literatur des A. T., bleibt der Koran das ewige Denkmal der Üebeiiegenheit des hebräischen Genius über dem Arabischen“ (II, 567). Sein innigstes Bekenntnis legt Frazer an der Schwelle seines mächtigen Werkes ab. ,,Die Aufgabe meines Werkes nötigte mich, hauptsächlich in den niederen Schichten des alten hebräischen Lebens zu verweilen, wie es sich im A. T. offenbart, bei den Spuren der Wildheit, des Aberglaubens, die auf diesen Seiten bewahrt sind. Doch wenn ich derart Vorgehen muß, bedeutet dies keineswegs Unkenntnis und noch weniger Mißachtung jener höheren Lagen des hebräischen Genius, die sich in einer geistigen Religion, in reiner Sittlichkeit äußert, deren unvergängliches Denkmal das A. T. bleibt. Im Gegenteil: das Auf decken jener niederen Bestandteile, welche der Gesittung des alten Israels ebenso zugrunde liegen wie der Gesittung des neuen Europas, diene vielmehr als Hintergrund, um kraft des Gegensatzes den Ruhm eines Volkes zu erhöhen, welches aus so dunklen Tiefen der Unwissenheit und Grausamkeit sich zu den lichten Höhen der Weisheit und Tugend erheben konnte: ebenso wie die Sonnenstrahlen mehr Schönheit ausströmen, w^enn sie durch die düstern Wolken der Winterdämmerung hindurchbrechen als wenn sie aus dem heitern Glanze eines Sommermittags die Erde überfluten. Die Aufzeichnungen von Wildheit und Aberglauben bilden Unglücklicherweise einen bedeutenden Teil des menschlichen Schrifttums, doch in welchem andern Bande finden wir Seite an Seite mit dieser trüben Erinnerung Psalmensänger, die ihre süßen und feierlichen Töne der beschaulichen Frömmigkeit ausgießen in der Einsamkeit der Hügel, auf grünen Rasen oder an stillen Wässern; wo Propheten, welche die beseligenden Gesichte einer gesegneten Zukunft mit der Glut einer leidenschaftlichen Vorstellungskraft durchleuchten; wo söhnen sich aus feiger Furcht vor dem Kampfe (II, 398—401). Bei der.groß-, artigen Zusammenkunft Davids mit Abigajil wirft David gar zu lüsterne Blicke auf die speisebeladenen Esel (II, 505). Die Volkszählung zur Zeit Davids, gibt Anlaß zu dem Spotte: Menschen zu zählen gelte für eine noch größere Sünde als Fleisch in Milch zu kochen oder über die Schwelle zu springen. (II, 555). Bei der Besprechung der von Löwen heimgesuchten Samaritaner macht sich F. über Löwen als Missionäre lustig. (III, 84, 90).

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