Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 406

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 406 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829935-2829941-2833492--47151-2833628
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

406 beruft sich zur Bekräftigung des Wunders am Schilfmeer auf Alexanders des Großen Zug durch das pamphylische Meer, worin schon Plutarchos und Arrianos ein Wunder der Vorsehung erblickten. Ein ähnlicher Glaube knüpft sich an Scipio den Aelteren. Bevor er Neu-Carthago (in Spanien) von der Lagunenseite erstürmt, verkündet er dem Heere, ihm sei im Traume der Gott Neptun erschienen und habe ihm verheißen, er werde die Römer durch die See zur Festung leiten. Darauf waten 500 seiner *Krieger durch die Ebbe und er־־ stürmen die Lagunenfeste. Für die Haderwasser führt Frazer eine Sage aus Mittel-Celebes an: dem Helden Dori wird, da er ärmlich gekleidet geht, keine Ehre erwiesen und sogar Wasser zum Waschen versagt, er lockt es mit seinem Speer aus dem Felsen (II, 463, 464), — also ein Beglaubigungs wunder. Die Wasserprobe, mittels welcher Gideon seine Truppen wählt, indem er sie zu einem Fluß führt, sie trinken heißt, die knieend Trinkenden heimschickt und nur die mit der Hand Schöpfenden behält, beleuchtet Frazer (II, 465—470) mit treffenden ethnologischen Beispielen. Er geht davon aus, daß eine derartige Prüfung sich auf einen wohlbekannten Unterschied gründen muß zwischen der Art zu trinken bei verschiedenen Stämmen, unter gewissen Umständen. Frazer ־weist diese Art zu trinken bei mehreren Stämmen in Afrika nach. Die Namaquas, ein Hottentottenstamm in Süd-West Afrika, gestatten auf der Jagd nur die Art, das Wasser mit der Hand zum Mund zu führen, welche auch Gideon vorgezogen, und führen diese Ueberlieferung auf den ersten Menschen zurück. x4ehnliches wird in Cambodja, Samoa, Neu-Caledonien beobachtet. Dem Missionär William Gunu geht in den Neu-Hebriden der Sinn der Geschichte Gideons auf: Frazer sieht in dem Gebrauch, Wasser, ohne niederzukauern, mit der Hand zu schöpfen, ein Zeichen größerer Wachsamkeit, also höheren militärischen Wertes. Zur Beleuchtung der Fabel Jothams (Richter 9) dient so manche Parallele: zwei Fabeln Aesops, eine vom Wettstreit der Tanne mit dem Dornbusch, eine vom Streit des Granatapfels mit dem Apfel; die Fabel des alexandrinischen Dichters Kallimachus vom Streit des Lorbeers mit dem Oelbaum, in den sich ebenfalls der Dornbusch mengt; die armenische Fabel vom Streite der verschiedenen Bäume; die malayische Erzählung vom Streit der Pflanzen um den Vorrang, welcher vor den Propheten Elijah und dann vor Salomos Richterstuhl gelangt. Reich und anziehend gestaltet sich bei Frazer das Kapitel über Simson und Dalila (II, 480—507). Vorerst Tührt er einige Beispiele von Urvölkern (besonders in Holländisch Indien) und aus den! europäischen Mittelalter an für den Glauben, daß die Kraft im Haar stecke; für die tödliche Angst, welche Naturvölker oder abergläubische Europäer davor hatten, das Haar schneiden zu lassen; dafür, daß Hexeninquisitoren ihre Opfer scheren ließen. Dann aber werden aufschlußreiche Märchen ähnlicher Auffassung behandelt, vor Allem eines aus Nias (Holl. Indien), reich entwickelt, deren Held nicht ertränkt, nicht verbrannt, nicht getötet werden kann; doch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.