Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 405 (sequence 21)
- Language
- German
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405 Der Turmbau von Babel gibt mannigfachen Anlaß zur Vergleichung (I, 362—387). Das Motiv des Himmelstürmens, des Himmelerst eigens ist Mythen, Sagen, Märchen geläufig. In einer mexikanischen Ueberlieferung, die noch 1579 aufgezeichnet wurde, ist der Turmbau bereits mit der Zerstreuung des Menschen verbunden, (I, 380, 381). Noch reichlicher sind die biblischen Motive von Flut Arche, Turmbau, Sprachenverwirrung in eine mexikanische alte Ueberlieferung hineingeflossen (I, 382). Für ähnliche Sagenmischung hat Frazer weitere Beispiele. Was Frazer für die Erzählung vom Sündenfall selbst geschaffen: die Rekonstruktion einer Ursage, das findet er für die Dudaim schon fertig. Er hat nur die Auffassung Bennets und Gunkels zu übernehmen, wenn er meint, in der ursprünglichen Sage sei Rahels Leib durch die Dudaim geöffnet worden, die spätere Bearbeitung habe an derartigem Aberglauben Anstoß genommen und habe darum berichtet: der Ewige öffnete ihren Leib. (Gen. 3022). In diesem Abschnitt stellt Frazer reiche Belege für den Volksglauben über Mandragora, Alraun zusammen, weist diesen Volksglauben als noch heute bei den Juden lebend nach in Palästina, ja selbst in Amerika. Zur Beleuchtung von Jakobs Kampf mit einem überirdischen Wesen (II, 410—425) dient: 1) die Sage von Menelaos, der sich des gestaltenwechselnden Proteus bemächtigt, 2) die ähnliche Sage, wie Peleus die vielgestaltige Thetis erringt, 3) wie Herakles dem Wassergeiste Archelaos seine Dejanira abringt, 4) wie die Gottheit am Horeb dem Propheten Elijahu als Flamme, Sturm, Donner, Säuseln erscheint, 5) zahlreiche andere Sagen von der Ueberwindung der Flußgötter. Selbst für den Zug, daß der siegreiche Mensch den Segen des besiegten übermenschlichen Wesens erzwingt, bietet Frazer eine mexikanische Parallele. (II, 424). Zur Erzählung von der Aussetzung Mosis führt Frazer (II, 440 bis 455) eine lange Reihe ähnlicher Sagen von der Rettung zu etwas Hohem Berufener an: die Sage von Semiramis, Gilgamesch, Sargon, Kyros (in mehreren Fassungen), Perseus, Telephus (König von Mysien), Aigisthos (Agamemnons Mörder), Oedipos, Romulus und Remus, Karna in der Mahabharata, Trakhan, König von Gilgith am Fuße des Himalaya. Frazer weist auch auf die Zeugnisse hin, nach denen eine derartige Aussetzung aufs Wasser als Gottesurteil galt, für Kinder, deren gesetzliche Abkunft angezweifelt wurden: sind sie gerettet, so ist auch ihr Ursprung gerechtfertigt. ((Rhein— Ordalien bei den Kelten). Hier fühlt sich Frazer zu folgender Auf- Stellung verleitet: Mosis^ Vater, Amram hat seine Tante Jochebed geheiratet, sei also eine Ehe eingegangen, die nach der Gesetzgebung im Peutateuch als Unzucht gilt. Jochebed hätte daher mehr als andere jüdische Mütter in Aegypten Grund gehabt, ihren Sohn auszusetzen und seine gesetzliche Abkunft durch ein Gottesurteil bezeugen zu lassen. — Ich muß gestehen, diese Spitzfindigkeit fällt bei einem: Frazer unliebsam auf.. Für den Uebergang übers Rote Meer hat Frazer wohl nur wen ige doch höchst bezeichnende Parallelen. (II, 456—462). Schon Josephus