Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 404

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 404 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829935-2829941-2833492--47149-2833626
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

404 keit gegessen. (Wegen ihrer Häutung seien die Schlangen vielfach als sich stets verjüngend, unsterblich gedacht.) Frazer gründet diese kühne, höchst merkwürdige Aufstellung zum Teil auf das Gilgameschepos, wo Utnapischtim ebenfalls durch die Schlange um die Unsterblichkeit gebracht wird: während er badet, stiehlt ihm die Schlange das Lebenskraut, — zum weit größeren Teil aber auf die zahlreichen Sagen von der gefälschten Botschaft und von der abgeworfenen Haut. Im ersten Sagentypus läßt der Mond dem Menschen sagen: ihr werdet sein wie ich, der ich, wenn ich abgenommen habe, mich wieder erneuere. Doch der Bote (Hase, Schildkröte, Chamäleon, Frosch, Ente, Schaf, Ziege, Drossel, Stier, Hund) ändert die Botschaft: nehmet ab wie ich, erneuert euch nicht wieder. So wurde der Mensch sterblich. Im Sagentypus von der abgeworfenen Haut heißt es: Gott habe gefragt: wer will seine Haut abstreifen und sich das Leben erneuern? Doch (aus verschiedenen Gründen) meldet sich nur die Schlange (oder auch die Eidechse, der Käfer und ähnliche). Frazer schließt dieses Kapitel folgenderart: ,,Falls meine Deutung der biblischen Erzählung das Richtige trifft, dann w־ar es der vergleichenden Forschung Vorbehalten, daß sie nach Jahrtausenden die Lücken der alten Zeichnung ergänze, und in aller ihrer urwüchsigen Roheit die hellen barbarischen Farben erneuere, welche die geschickte FI and des hebräischen Künstlers gemildert oder verwischt hatte/4 (I, 77). Für das gewaltige Kapitel über die Sintflut (I, 104—361) be~ nutzt Frazer die wichtigen Vorarbeiten von Andree, Usener, Winternitz, Böklen, Gerland u. A.1 2 Frazer verfolgt die Verbreitung der Flutsagen auf dem ganzen Erdenrund, stellt fest, daß diese Sagen in Afrika ganz fehlen, in Europa sehr selten (z. B. bei den Zigeunern in Siebenbürgen) begegnen. An vielen Stellen haben sich die Ueberlieferungen der Urvölker durch die Bekehrung zum Christentum stark der Bibel angepaßt, so z. B. im Bericht von den ausgesandten Vögeln. Als im Jahre 1822 Ellis den Bewohnern von Hawai über Noe predigte, erwiderten sie ihm mit der Erzählung ihrer eigenen Ueberlieferungen. (I, 245). . In Arizona wurden die Sagen von der Schöpfung des Menschen, vom Paradies, von Montezuma (= Noe) ganz bibelmäßig gestaltet (I,. 281, 282). Beachtenswert ist die Neigung der Sage, den Raben zu strafen. Die Indianer von Canada erzählen, der Rabe, ursprünglich von weißer Farbe, sei zur Strafe schwarz geworden/42 In den amerikanischen Sagen gelten Otter, Rentier, Biber,. Eistaucher, Rabe, Falke als Probetiere, zuweilen derart, daß sie vom Grunde des Wassers etwas Schlamm heraufholen, aus dem die Erde neu geschaffen wird. Zweifellos erscheint die biblische Einwirkung z. B. in Britisch Columbia, wo die Flutsage mit der Sage von der Verschiedenheit der Sprachen oder bei den Masai, wo sie mit der Regenbogenerscheinung verknüpft wird. (I, 320, 330). 1 Dähnhardts große Sammlung wird weder hier noch sonst im Werke verwertet. 2 Aehnlich in der Aggada, \yo drei Wesen in der Arche bestraft werden : Cham, der Rabe und der Hund. Hier erleidet Cham die. Strafe,, daß seine Haut schwarz wird (B. Sanhedrin 108b).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.