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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 403

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 403 (sequence 19)
Language
German
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403 hunderts hat der Arzt Thomas Winterbottom und der Reisende William Bosman die afrikanischen Gebräuche mit der biblischen Vorschrift (Num 5) verglichen. Wohl handelt es sich in Afrika und in Indien meist darum, zu ermitteln, ob der Angeklagte der Zauberei schuldig ist, doch mitunter auch um Ermittelung der ehelichen Treue. Wenn der Beschuldigte das Gift erbricht, hat er die Unschuldsprobe bestanden. Frazer erklärt den weitverbreiteten Brauch folgenderart: das Gift wird als etwas Lebendes gedacht, als Späher, der das Innere durchforscht; findet es darin keine Sünde, so geht es denselben Weg zurück, den es gegangen; findet es Sünde, zerstört es den Sündenleib (III, 411, 412). Der stößige Ochs שור נגח gilt als Musterbeispiel für die Prozesse und Urteile gegen Tiere und auch gegen Lebloses (III, 415—445). Das Schlußkapitel bespricht die goldenen Glöcklein des Hohenpriesters (III, 446—480) und erklärt diesen Gebrauch daraus, daß böse Geister oft durch Schellen vertrieben werden. Foik-lore und Sagenkunde. Wenn auch das Ethnologische bei Frazer überwiegt, fällt dennoch auch die sagengeschichtliche Ausbeute nicht karg aus. Ueber die Erschaffung des Menschen sind Sagen weit verbreitet, (I, 1—44), vielfach stimmen sie mit der biblischen Erzählung überein, doch bleibt dabei in Anschlag zu bringen, daß mohammedanischer, christlicher Einfluß, die Belehrung der Missionäre mannigfach die Ueberlieferungen der Urvölker umgestaltet haben: australische Völker erzählen vom Menschen, der aus Lehm geschaffen wurde; auf Tahiti weiß man von ,,Ivi,“ die aus einer Rippe verfertigt worden, von einer Pagode, die bis in den Himmel reicht, von der Sprachen- Verwirrung. Die Indianer in Californien lassen das Weib ebenfalls aus der Rippe des Mannes entstanden sein. Kühn und scharfsinnig deutet Frazer den biblischen Bericht über den Sündenfall. Die Erzählung biete manche Schwierigkeit: sie ist bloß auf den Baum des Wissens gerichtet, nachträglich wird des Lebensbaumes gedacht. Ferner sei es unklar, was die Schlange zu einem Schritte verleitet, durch den sie den Menschen wohl verdirbt, der ihr jedoch gar keinen Vorteil verheißt und schließlich Strafe zuzieht. Frazer wähnt, die ursprüngliche Erzählung sei ganz anders verlaufen: In der Mitte des Gartens standen zwei Bäume, der Baum des Lebens und der Baum des Todes. Gott habe die Schlange zu dem Menschen mit folgender Botschaft geschickt: iß vom Baume des Lebens, berühre nicht den Baum des Todes. Doch die Schlange habe die Botschaft gefälscht, habe den Menschen vom Baume der Sterblichkeit essen lassen, selbst aber vom Baume der Unsterblich- (Deuter 21 r9). Es sollte irgendwie festgesetzt werden, wer an dem Mord schuld trägt, wie die Schuld des verdächtigten Eheweibes durch den Becher geprüft wird, — so sollte jeder Zweifel zerstreut werden, wie es bei den Völkern gebräuchlich: mittels heißen Eisens oder Wassers (Feuer-, Wasserprobe). Julian Morgensterns inhaltsreicher Aufsatz: Trial by ordeal among the Semites and in ancient Israel (Hebrew-Union College Jubilae Volume, Cincinnati 1925, 113—143) scheint Frazers Werk nicht beachtet zu haben. 26*

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