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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 401

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 401 (sequence 17)
Language
German
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401 was noch weit wesentlicher, wenn er die zersetzende Art des Höhenkultus mit der Heiligenanbetung in Italien , vergleicht oder die aufregende, volksaufwühlende Wirkung der Kultusreinigung unter Josia gewaltig ausmalt. Doch über dem Philologen, über dem Schriftsteller steht der Ethnologe und Folklorist Frazer. Ethnologisches. Die Fülle der ethnologischen Belehrung läßt sich nicht leicht ausschöpfen. Das Einhauchen des Lebensodems in den ersten Mensehen ist in Beziehung gebracht mit der Art wie Elischa den Sohn der Sunamitin belebt; das Niesen als Zeichen des Auflebens wird vielfach bezeugt (I, 5, 6). Aus Anlaß des Kainszeichens w7erden die Mittel zur Abwehr der Dämonen besprochen (I, 78—103). Beim Bund Gottes mit Abraham zwischen den Fleischstücken werden zwei Riten unterschieden; das Zerschneiden der Stücke als Vergeltungsritus, das Wandeln durch die Stücke als sakramentaler Ritus gedeutet (I, 425), nebstbei wird auch des Bauopfers und seiner Spuren in Palästina gedacht (I, 472 ff.). Der Erbstreit Jakobs mit Esau bietet Anlaß zu einer großangelegten Untersuchung über Ultimogenitur. Frazer unternimmt eine Ehrenrettung des Patriarchen, indem er ausführt, das Recht des Erben habe Jakob als dem Jüngeren gebührt und erst zu einer späteren Zeit, wo die Ultimogenitur verschwunden und vergessen war, habe man Erklärungen dafür gesucht, warum nicht Esau sondern Jakob das väterliche Erbe antritt (I, 429 bis II, 39), unter anderem eine Neugeburtsgeschichte durch das Anlegen von Tierfellen. Diesen Aufstellungen wohnt nicht die geringste überzeugende Kraft inne. Doch dabei fließt reichliche Belehrung über den Zusammenhang von ius primae noctis mit Ultimogenitur (I, 485—534), sowie über die Tobiasnächte (I, 498—519). Ganz irrig erscheint es mir auch, aus dem Verhalten Absaloms zu den Kebsen Davids (II Sam 1621ff.) darauf zu schließen, auch in Israel höbe der Gebrauch geherrscht, daß der Sohn alle Weiber seines Vaters erbte mit Ausnahme der eigenen Mutter (I, 541, Anm. 3). Jakobs Steinsetzung zu Bethel, die Mazzebahweihe wird zum Ausgangspunkt einer Untersuchung über die heiligen Steine im Kultus, wobei in Melanesien das Aehnlichste zum Vorgang in Bethel gefunden wird (II, 62). .Auf den Gegenstand kommt Frazer noch bei Besprechung von גלעד zurück. Daß Jakob bei der ersten Begegnung Rachel unter Tränen begrüßt, bietet Gelegenheit, das Weinen als Sitte, als Gebrauch und dabei das Amt der Trauerweiber zu behandeln (II, 82—93). Im Zusammenhang mit den Ehen Jakobs (II, 94—371) werden drei Hauptprobleme bis in ihre Tiefen ergründet: 1. Die Ehe zwischen Geschwisterkindern; 2. Die Ehe mit zwei Schwestern, damit auch das Sororat und Levirat (II, 263—341); 3. Die Sitte, das Weib nicht durch Kaufpreis, sondern durch Arbeit zu erstehen, wobei es nicht an Beispielen mangelt, daß diese Arbeit eben 7 Jahre dauert. Das Levirat wird auf weiten Gebieten nachgewiesen: in Indien, in Afrika, auf Madagaskar, bei den Indianern Nordamerikas. Selbst dem Grundsätze, daß die jüngere Tochter nicht vor der älteren heirate (Gen 2926) begegnen wir wiederholt: bei den Tonga in Mozambique, Monatsschrift, 70. Jahrgang. 26

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