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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 399

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 399 (sequence 15)
Language
German
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399 oder an einen nahen Baum, bannen sie mittels eines runden Steines oder einer Flamme. * Und nun einige Einzelheiten1. Zuweilen begegnen wir abenteuerlichen Aufstellungen. Von Herodes wird behauptet, er habe das Weihefest vom Frühling auf den Winter verlegt (S. 43). Am Sukköth, meint S. (S. 120), müssen sich Absenkerscheinungen ergeben haben, die man als Vorzeichen deutete. Selbst der Stab, den die Israeliten bei der Feier des Pessachs in Aegypten in der Hand halten sollten (Ex 12״) wird mit dem wunderbar grünenden Stab in Beziehung gebracht (S. 121). Tammuz und Adonis sei verwandt mit dem Adonaj der Bibel und mit Jesu, dem Adonaj der Evangelien (S. 306). — Simon der Gerechte wird mehrere Jahrhunderte n. Chr. angesetzt (S. 295); er hat vor Jesu gelebt. Das Wunder, welches ihm B. ma 39a zugeschrieben wird כל כהן שמגיעו כזית יש אוכל ושבע ויש אוכל ומותיר, erklärt S. eigentümlich: jeder Priester habe eine kleine Menge Oliven erhalten, von denen er satt wurde und noch übrig ließ; in Wirklichkeit heißt es: jeder Priester, der von den Opfergaben auch nur soviel bekam wie eine Olive, wurde davon satt und ließ noch übrig. Saintyves gründliche Ausführungen gehen oft über die Heilige Schrift hinaus. Hie und da können seine reichhaltigen Zusammen- Stellungen noch aus der späteren Literatur ergänzt und beleuchtet werden. * Wenn man auch manches Bedenken, manchen Widerspruch gegen Saintyves' Grundtheorie vom Ritus, der sich hinter allen Wundererzählungen verberge, nicht unterdrücken kann, so muß man seiner Darstellung doch überall mit lebhafter, mit gespannter Aufmerksamkeit folgen, wie er eine Vorstellung durch die Bibel, das Neue Testament, das hellenistische Schrifttum, durch die Hagiologie, welche es wunderbar kennt, durch die moderne Ethnologie verfolgt. Der Stab Arons, die Macht Mosis, der Fall Jerichos, Elijahus und Elisas Taten, der Weg übers Wasser, der Ring Salomos, die Symbolik der priesterlichen Kleidung, die Anteilnahme der Natur an der Trauer; der Menschheit, — alle diese Vorstellungen erscheinen in glänzender Helle, von einer umfassenden Kenntnis der Heiligen Schrift, des klassischen Altertums, der kirchlichen Heiligengeschichte, der Volksüberlieferungen wunderbar beleuchtet. 3. Sir James George Frazer, Folk-Lore in the Old Testament. Studies in comparative Religion, Legend and Law. London. (Macmillan 1919. I. Band XXV + 569, II. Band XXI + 571, III. Band XVIII + 566.) Auch gekürzte Ausgabe in einem Bande, ebenda 1923 XXX + 476 18 Sh. Frazer, der Verfasser des großartigen Werkes, das zu besprechen wir jetzt im Begriffe sind, hat bereits einen Ehrenplatz in der Geschichte der Religionswissenschaft inne2.. Nachdem er ein Leben 1 Saintyves nimmt die nachbiblische hebräische Literatur aus zweiter Hand, daher mancher Fehlgriff. Da heißt der Talmud ein rabbinischer Kommentar (S. 295). Das absonderliche Zitat: R.. Brochai, God. Halokema (S. 431, Anm. 3) sollte wohl heißen R. Bechai, Kad hakemach. Auffällig ist auch das Zitat: Bet Ham (S. 92, Anm. 5). 2 Siehe Lehrbuch der Religionsgeschichte, begründet von Ghantepie de la Saussaye, vierte . . . Auflage ... herausgegeben von Alfred Bertholet und Eduard Lehmann, Tübingen (Mohr) 1925. I, S. 12, 13.

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