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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 398

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 398 (sequence 14)
Language
German
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‘ 398 über den See. Genezaret spiegeln sich alte Weiheriten, die aber ihre eigentlichen Vorbilder in Indien und in Ghaldäa finden. Beachtenswert scheint die Beobachtung Samtyves’,, daß derartige Wasserwunder mittels Stabes und Mantels (an dessen Stelle zuweilen der Nonnenschieier tritt) ausgeführt werden; diesem Stab und Mantel komme magische Bedeutung zu. Ueberrascht wird man, zu erfahren, daß Gumont gewisse Mithrasreliefs derart deutet, sie stellen Elijahu dar, auf dem Wagen sitzend, wie er Elisa den Mantel reicht. (S. 348). Und nun wieder die gewaltsame Auf- Stellung: all diese Vorgänge knüpfen an irgendeinen alten Weiheritus an, in dem der Neugeweihte den Mantel erhält, dadurch Herr der Elemente wird, die da helfen, ihn zu prüfen, ihn zu läutern (S. 331, 332). VIII.; Vanneau de Poly crate et le statere dans la bouche du poisson (365—40:4). Das Motiv vom Wortgegenstand im Fische hat mannigfache Beziehungen zur jüdischen Legende. יוסף מוקיר שבתא wird derart belohnt. Salomo findet in dem Fische seinen Bing und gewinnt dadurch seine Macht über Menschen und Geister zurück. Saintyves führt diese Sage aus Südarabien an, doch weiß er, daß sie auch sonst verbreitet war* 1. Auch aus dem Maassebuch bringt er das reich verwickelte Märchen von R. Chanina samt überraschenden Parallelen. Auch in diesem Märchenmotiv erblickt S. einen Ritus, eine vorgeschriebene Handlung, wie das Meer zu befragen. Er stützt sich dabei auf gewisse Sagen und Legenden, in denen Würaenträger den Schlüssel ihrer Würde, Büßer den Schlüssel; ihrer Fesseln ins Meer werfen und solange die Würde oder die Freiheit entbehren, bis der Schlüssel wiedergefunden wird. Auch in dem Gebrauch, daß der Doge von Venedig einen Ring in die See wirft, erblickt S. einen Ritus, das Meer über das Schicksal, über die Zukunft zu befragen., IX. JJeux themes de la jpassion etleurs signiftcations symboliques (405—463). Es handelt sich um das nahtlose Oberkleia Jesu, wobei der Symbolismus der Kleidung des Hohepriesters nach Josephus, Philo und der Weisheit Salomos eingehend erörtert wird. Dann auch handelt es sich um den Aufruhr der Elemente, um die Verfinsterung der Welt, von denen im Evangelium der Tod Jesus begleitet wird. Auch hier setzt S. einen sinnbildlichen Ritus voraus. Er meint, in die Liturgie der Feste zur Feier gestorbener und auferstandener Götter sei auch der Ritus des Verdunkelns, des zerrissenen Vorhanges eingeürungen. * Seit dem Erscheinen seines Buches hat Saintyves dieser Stoff־־ gruppe einen weiteren, einen ganz vortrefflichen Aufsatz gewidmet: Le miracle de Josue arretant le soleil et la methode comparative2. Vorerst bekommen wir die Geschichte der Deutung vom Wunder, wie Josue die Sonne zum Stehen bringt, der Deutung vor Copernicus und nach Copernicus. Dann eine wunderbare Fülle ähnlicher Vor- Stellungen und 0 eberlieferungen. Wenn sich die kirchliche Heiligengeschiente, die mohammedanische Legende, die europäische Dichtung (am mächtigsten die Chanson de Roland) desselben Wunders bedienen, so klingt darin natürlich nur die biblische Erzählung wieder. Aehnliehen Vorstellungen begegnen wir aber auch bei Homer, Properz, Ovid und in zahlreichen Volksüberlieferungen in Bulgarien und in Afrika, bei. den Eskimos und in Australien. Hier gelingt es Saintyves auch eine sinnbildliche Handlung nachzuweisen.; Die Primitiven fangen die Sonne mit einem Netze auf, binden sie an einen Tempel befiehlt Moses, daß er seinen Stab erbebe, seine Hand ausstrecke,, um das Meer zu spalten (Ex 141#). 1 Siehe Gaster, Exempla of the Rabbis, Nr. 404. 2 Actes du Congrös international d’Histoire des Religions. tenu ä Paris en octobre 1923. Paris 1925. I, 219—241־.

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