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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 397

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 397 (sequence 13)
Language
German
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397 VI. Le miracle de la multiplication des pains (231—306). Musterbeispiel für einen sagenhaften Zug־, der in der Bibel, im Evangelium, in der hagiologiscnen Literatur durch die feste Kette der gemeinsamen Ueberlieferung verbunden erscheint. Auch die mannigfachen Wandlungen der Gralsschüssel und des Märchens vom Tischlein deck dich werden mit wunderbarer Belesenheit heranbezogen. Wenn man nun liest, man habe es mit einem Gegenstände des allgemeinen Folk-lore zu tun (S. 254), möchte man frohlocken, daß diesmal die Ableitung aus einer Ritushandlung wegbleibt. Voreilige Freude. ״Kein Zweifel, es handelt sich auch hier um ein Ritus-Mahl“ (S. 265). Zu den Wunschgegenständen, die sich stets füllen, gehört nebst Tischen, Schüsseln und Bechern auch das Füllhorn: ״c’est l’exögese reelle dorit on accompagnait l’usage de la corne dans les cöremonies annuelles ä fin d’abondance et de prosperite“ (S. 264, 265). ,,La corne d’abondance, la coupe inepuisable, la Serviette qui se garnit d’elle-meme n’ont pas seulement etö utilises dans des rites saisonniers de prospörite mais dans des ceremonies d’initiation“ (S. 267). Da soll alles Weihe und höhere Bedeutung gewinnen. Da soll Lanze und Schüssel der Gralssage den Stab und die Schüssel der Weiheriten bedeuten (S. 274, 288), da wird der in den Himmel wachsende Baum zu einem Regenritus, der Kranich zu einem Wolkengeiste (S. 281). Selbst ״Eslein streck dich“ kommt zu Ehren. ,,Das goldgebende Tier: Esel, Schaf, Ziege, bedeutet dies nicht den Reichtum der Felder? Uebrigens wird man eines Tages vielleicht wohl Fassungen finden, in denen nicht von Gold die Rede ist, sondern von Milch, Wolle, Dünger“ (S. 288). Nun, ich hoffe, ein derartiges Nützlichkeitsmärchen wird sich in keiner Volks- Überlieferung finden. Daß der Geist Mosis sich den 70 Aeltesten mitteilt, erinnert Saintyves an das Herabsteigen des heiligen Geistes auf die Apostel zu Pfingsten, ״Vielleicht war dieser Bericht ursprünglich in Beziehung mit dem jüdischen Feste der Erstlinge“ (S. 293). Der Beweis stützt sich auf das Wunder Elisas, dem 20 Erstlingsbrote gebracht wurden, von denen eine Menge Volkes sich sättigt und noch übrig läßt (II Kön 442, 44). ״Cette fois, nul doute, notre miracle sertäcommenteret äpromouvoir l’obligation d’offrir les prömices et non seulement des fruits et des epis mois leurs produits comme l’huile et le pain“ (S. 295). Saintyves beruft sich auf das Wunder von Simon den Gerechten, durch welches sich die Opfergaben für die Priester vervielfältigen: Omer, Opferbrote, Schaubrote (B. Jöma 39a). Daraus folgert S., daß noch in späten Jahrhunderten bei den Juden der Glaube lebte, die Erstlings brote mehren sich. Auch im Evangelium Johannis (6!—13) wird die wunderbare Speisung in die Zeit vor Pessach versetzt. Nun aber ist Pessach das Fest der ersten Garbe, das Wochenfest wieder das Fest des ersten Brotes. Diese Opfer, so schließt S., sollen daher einen Frucht- und Vermehrungsritus ausdrücken; die Wunder der biblischen Brotvermehrung seien dann in die jüdisch-hellenistische und in die jüdischchristliche Liturgie übergegangen. VII. Le miracle de la marche sur les eaax, son origine et sa signification symbolique (307—363). S. verknüpft zu einer einheitlichen Traditionskette die mannigfachen Fassungen dieses Wunders: den Durchzug durch das Rote Meer, den Uebergang über den Jordan unter Josua, den Durchzug Elisas durch den Jordan, nachdem er die Wässer mittels Elijahus Mantel geteilt, das Wandeln Jesus (Marc 645—52) und auch Peters über den See Tiberias (Math 14s2—33)• Dem Apostel Paulus und dem heil. Augustinus folgend, sieht S. im Zug durchs Meer einen Weiheritus, eine Taufe. Er weist darauf hin, daß Moses beim Auszug aus Aegypten, Josua in Gilgal das Volk beschneidet und daß Elisa den Jordan eben in der Nähe Gilgals durchschreitet. Auch Jesus, wird im Jordan getauft. Mit diesen Anschauungen steht S. keineswegs vereinzelt da1 2. Doch es kommt phantastischer: Elijahu, der, nachdem er den Fluß überschritten3, in den Himmel fährt, wird zum Vorhilde Jesus: auch Jesu, nachdem er über den See geschritten, erreicht seine Heimat* das Bild des himmlischen Reiches (S. 349). Im Durchzug durchs Rote Meer3, im Gang 1 Siehe G. Roheim in The Man 1923, Nr. 96, S, 152—155, Nr. 111, S. 178. 2 In Wirklichkeit erzählt die Bibel (II Kön 2) gär nicht, daß Elijahu über das Wasser schreitet; mit seinem Mantel teilt Elisa die Fluten. 3 Saintyves (S. 327) findet es befremdend, daß Moses sich nicht seines Stabes bedient, um das Rote Meer zu spalten; nun aber heißt es klar; Gott

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