Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 11)
- Language
- German
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- Manoah 1× ep/1005864
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395 derart, daß Jesus einen köstlichen Hochzeitsscherz ausführte, indem er als Hochzeitsgeschenk Wein mitbrachte und mit diesem erst dann herausrückte, als die übrigen Vorräte schon ausgegangen waren. (Saintyves S. XI). Gar nicht weniger drollig erscheint uns Renans Versuch, die dem Felsen entlockten Wasser damit zu erklären, Mose habe sie mittels einer Rute entdeckt (Saintyves S. 154, dort auchMaurys ähnliche Deutung). Von dergleichen Verirrungen sagt Saintyves mit Recht: ,,Le rationalisme est parfois bien deraisonnable," wir möchten sagen: Vernünftelei ist unvernünftig. Schade nur, daß Saintyves selbst diesen trefflichen Grundsatz nicht zu voller Geltung bringt. Schwankend tritt er der Auffassung entgegen, welche die Herabkunft des Feuers beim Opfer Manoachs, am Berge Karmel, im Tempel Salomos (nach II Chron 7!) derart erklärt, die Alten hätten die Kunst verstanden, den Blitz herbeizuleiten, die atmosphärische Elektrizität zu lenken (Saintyves 24). Saintyves selbst verfällt in den bedenklichsten Rationalismus: Er erblickt im Feuer Elijahu und Salomos ״un feu liturgique allume par rofficiant“ (S. 20), also eine Täuschung, ausgeführt durch den, welcher den Gottesdienst versieht. Noch stärker muß man den Kopf schütteln, wenn man die Deutung von Elijahus Wunder liest. Die Bibel erzählt : Elijahu läßt dreimal je vier Krüge Wasser auf das Opferfleisch gießen, da steigt eine Flamme vom Himmel nieder und verzehrt das Opfer (I König 8343־R). Hören wir nun Saintyves: ,,Or il ne semble pas douteux qu'il s’agit lä dhm feu allume par Taction d’un liquide sur une preparation pyrophorique prealablement disposee sur hautel." (S. 21). Unter dem Drucke der Wundersucht des Volkes habe man den eigentlichen Vorgang verschleiert, um an das ausschließliche Eingreifen der Gottheit glauben zu machen (S. 25). Hier liegt ein Grundfehler in der Methode Saint3wes vor. Er geht von der Flamme aus, die sich jeden Charsamstag in der Kirche von Jerusalem entzündet. Im Lichte dieser Flamme betrachtet er das Feuer des Opfers des Manoach, Salomos bei der Tempel weihe und Elijahus am Berge Karmel. Hierin äußert sich am stärksten, wenn auch nicht am vorteilhaftesten, die Einheitlichkeit und die Eigenart des großen Werkes von Saintyves: hinter jedem biblischen Bericht von einem wunderbaren Vorgang sucht er einen Ritus, eine zeremonielle Handlung. Nach seiner grundsätzlichen Auffassung ließen sich sagenhafte Vorgänge im Allgemeinen aus einem Worte, einem Bilde oder einem Ritus erklären, in der Bibel gewöhnlich aus einem Ritus. (S, VIII). ״Le symbolisme, le mythe et la liturgie sout des manifestations pxesque toujours paralleles/' (S. 460). Mich hat das Buch, soviel Genuß und Belehrung es mir auch geboten, keineswegs von der Richtigkeit dieses Satzes überzeugt. Von den 9 Arbeiten, in denen Saintyves diesen Satz ausführt, finde ich ihn bloß in einer bewiesen, in der vierten: ,,Le tour de la ville et la chute de Jericho" (180—204), wo an der Hand trefflicher Analogien vom Pomoerium, vom Bannkreise, wirklich, wie ich glaube, nachgewiesen ist, daß um Jericho ein Bannkreis gezogen und die Stadt durch die magische Ausstrahlung der Arche und der göttlichen Allmacht zu Fall gebracht wird, Saintyves bringt aber seinen Grund-