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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 394

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 394 (sequence 10)
Language
German
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£94 hafte herauslesen״ Die bösen Geister, die im See von Gadära umkommen (Matth ^28 und Parallelen) zieht Gunkel (S. 87) in den Kreis der Sagen vom betrogenen Teufel. Wenn Paulus das Mißliche an den Zerwürfnissen in der Kirche mit dem Beispiel der streitenden Glieder des Körpers veranschaulicht (I Kor 1214-24), so fühlt hierbei Gunkel (S. 29, 30) einen Anklang an die Fabel des Menenius Agrippa heraus. Kaum ein Erzählungsstoff wird eingehender besprochen als die Taube, die bei der Taufe Jesu’s sich auf dessen Kopf niederläßt. Gunkel (147—151) erklärt dies aus den Volksüberlieferungen, in denen der zum König gewählt wird., auf dessen Kopf ein Vogel sich setzt1. Gunkels Forschung ist von wissenschaftlicher Wahrheitsliebe und gleichzeitig von inniger Bibel Verehrung geleitet. Ihm gilt die Geschichte der prophetischen Religion einigermaßen auch als Geschichte des Kampfes gegen das Märchen, vorzüglich gegen das Zaubermärchen. Doch wenn der hohe, strenge Ernst der Heiligen Schrift auch den abergläubischen Volksglauben des Märchens bekämpfte, vermochte er die dichterische Anschauung nicht zu bekämpfen; nun aber eignet sich zur Veranschaulichung religiöser und sittlicher Gedanken weit eher als die nüchterne Geschichte noch die dichterische Erzählung. Dankbar für mannigfache Belehrung trennt man sich von Gunkels Buch und darf das darin wiederholt angekündigte weitere Werk: Mythus, Sage und Legende im A. T. mit vertrauensvoller Ungeduld erwarten. 2. P. Saintyves, Essais de Folklore biblique. Magie, mythes et miracles dans l’Ancien et le Nouveau Testament. Paris (Nourry) 1922 (am äußeren Titelblatt 1923) XVI u. 483. Saintyves hat in diesem Bande 9 Aufsätze zum biblischen Folk-lore vereinigt. Die einzelnen Aufsätze sind zu verschiedenen Zeiten (zwischen 1909 und 1922) in verschiedenen Zeitschriften (Revue des Traditions populaires, Revue d'Histoire des Religions, Revue d'Histoire et de Litterature religieuses, Revue archeologique) veröffentlicht worden, zwei sind neu hinzugekommen. Auch scheinen sie voneinander unabhängig. Dennoch wird kaum Jemand, der das fesselnd schön geschriebene Buch zu Ende Liest, dem Ganzen die innere Einheit absprechen können. Einheitlich wird die Sammlung durch den biblischen Stoff. Einheit verleihen dem Werke aber vorzüglich die Grundsätze, die das Ganze durchziehen. Den einen Grundsatz wird wohl kaum ein unbefangener Forscher in Frage ziehen können: es ist unmöglich, die Ueberlieferung im Evangelium von der jüdischen Ueberlieferung loszulösen. Auch mit dem Grundsätze stimmen wir vollkommen überein, daß die rationalisierende Deutung den biblischen und den evangelischen Wundern keineswegs gerecht wird. Saintyves führt einige treffliche Beispiele an. So erklärte der ,,denkgläübige“ Theologieprofessor Paulus das Wunder der Hochzeit von Kana 1 Siehe auch Hugo Greßmann, Die Sage von der Taufe Jesu und die vorderasiatische Taubengöttin, ARW, 1920/21, XX, 1—k0, 823—859,

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