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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 5 · p. Seite 392

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 5
Article
Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
Date
1926-01-01
Page
Seite 392 (sequence 8)
Language
German
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392 grabenen Toten, dieser ,,dankbare Tote“ steht ihm dafür bei und erwirbt ihm die Braut. Nebst dem Buche Tobit erblickt Gunkel (S. 162) den Stoff eines Wandermärchens noch in der Erzählung vom Weibe Potiphars, im Opfer Jephthas, im Urteil Salomos, in der Rettung Jonas. Im Urteil Salomos sieht Gunkel das älteste Beispiel eines Märchens, das sich von Indien aus verbreitete. Benfey meinte noch, daß die biblische Erzählung als ältere zugleich auch als ursprüngliche zu betrachten sei. Frazer (Folk-lore in the Old Testament II, 570, 571) nimmt für die von ihm angeführten Jaina-Fassungen des Urteils die Heilige Schrift als Quelle an. Gunkel hingegen findet, daß diese Ueberlieierung den gesellschaftlichen und rechtlichen Verhältnissen in Indien entspreche, wo die Würde der Haus- Verwalterin der Mutter des Erbsohnes gebühre1. Nicht immer scheint der Nachweis des Märchenhaften in der Bibel klar und überzeugend. Es wird Gunkel vorgeworfen, daß er überall Märchen wittert. Doch stets wird er von wissenschaftlicher Ueberlegung geleitet. Er geht gewiß zu weit, wenn er in der Erzählung von Moses, dem Hirten am Berge Horeb, das Motiv vom leitenden Tiere sucht. Wahrscheinlicher ist dies Motiv im Falle Anas, wenn wir ihn so deuten, daß er beim Weiden seiner Herde auf warme Quellen stößt (Gen. 3624)2. Zweifellos scheint dieses Motiv in der Erzählung, wo die Bundeslade von den Kühen ins Land Israels geführt wird (I Sam 6^). Im Gleichnis Jesajas (5r?) vom Weinstock, den sein Herr verurteilt und straft, erblickt Gunkel das Beispiel des Prozesses zwischen Mensch und Tier, zwischen Mensch und Ding. Jechezkeels Schilderung vom verlassenen Säugling (Jech. 16) — meint Gunkel — gehe von dem Märchen aus, in welchem ein Mädchen in der Wildnis vom Königssohn gefunden und geheiratet wird. Dies wieder ist eine Abart des allgemeinen Typus vom ausgesetzten Kinde, welchem Typus auch die Jugendgeschichte Mosis angehört. Das Gesicht Zecharjahs vom fliegenden Epha, in welchem die Bosheit eingeschlossen und nach Babylon gebracht wird (Zech. 65׳(11־ erklärt sich aus dem Märchen vom bösen Geist im Glase. Oft, wo die Bibelleser bloß eine dichterische Wendung, ein Bild ausnimmt, sucht Gunkel hinter dem Bilde eine Volksvorstellung., eine Volksüberlieferung. Wenn Abels Blut zum Himmel schreit, verweist Gunkel auf die Märchen, wo Blutstropfen die Stimme erheben. Lebenswasser, der ,,Quell des Lebens,“ der Baum des Lebens begegnen uns als beliebte Bilder der Bibel; Gunkel erklärt diese Bilder aus den Märchen, deren Held das Wasser des Lebens, die Frucht des Lebens sucht. Gott wird in der prophetischen Rede veran״ schaulicht, wie er auf den Höhen der Erde einherschreitet (Am. 413, Micha 13). Gunkel erinnert an die Siebenmeilenstiefel des Märchens3. Der große Tröster spricht zu Jerusalem: du Unglückliche, Sturm״ gepeitschte, Ungetröstete, als Grundstein setzte ich dir Malachit und Saphir, als Zinnen Rubin, als Tore Karfunkelstein, als Grenze 1 Siehe auch Greßmann, die Schriften des A. T.s, II, 1, 1921 2, S. 198. 2 Eine bekannte Sage knüpft sich an die Gründung von Karlsbad, eine ähnliche auch an das Bad Bath in England (Dickens, Pickwicks). £ $ine andere Erklärung bietet Hirschler im 34! ,133 ,1926 ד&13פה,

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