Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neuere Literatur zur jüdischen Sagenkunde
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 7)
- Language
- German
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391 crzählung an. Es ließe sich auch die Tobiasgeschichte hinzufügen1. In einem Aufsatz, der in der ZATW erscheinen soll, suche ich nach* zuweisen, wie tief die Geschichte vom Erbstreit Jakobs mit Esau in die afrikanische Volksüberlieferung eingedrungen ist. Gunkel nimmt zwei Kriterien an, die den märchenhaften TJr- Sprung einer biblischen Erzählung bezeugen: entweder die innere Beschaffenheit des Stoffes oder das Vorkommen des Gegenstandes in der Märchenwelt anderer Völker. Og, König von Baschan, Simson, Goliath treten als Riesen, also geradewegs als Märchenwesen auf. Märchenhaft erscheint der Dornstrauch, der um die Zeder des Libanon wirbt (II Kön 149, II Chr 2518) oder der, nachdem sich Olive, Feigenbaum, Weinstock geweigert haben, die Herrschaft über die Bäume übernimmt. Gunkel ist bestrebt, in diesen Parabeln sowie in andern Fällen z. B. in Nathans Parabel vom Schäfchen des Armen (II Sam 12^4) oder in Jechezkeels Gleichnisdichtungen nachzuweisen, daß ein fertiger Märchenstoff für die gelegentliche Anwendung umgestaltet wurde. Ebenso verraten nach G. ihren märchenhaften Ursprung die Schlange im Paradies, die Eselin Bileams, die Kühe, welche die Bundeslade von den Philistern ins Heilige Land bringen, die Raben Elijahus, der Fisch, der den Propheten Jona birgt, die Löwen Daniels. In zahlreichen anderen Fällen machen es Parallelen wahrscheinlich, daß die biblische Erzählung der Volksüberlieferung entstamme. Bei Abraham und Lot kehren die Engel ein wie Jupiter und Merkur bei Philemon und Baucis. Sodom geht unter wie in der indischen Sage die Stadt Holaolokia. Anstatt Isaaks wünscht die gnädige Gottheit die Opferung eines Widders; so wird Iphigenie durch Artemis gerettet, der das Opfer einer Hirschkuh genügt. Für die Erzählung von Joseph und der verleumderischen Verführerin bietet sich Entsprechendes die Fülle. Infolge seines verhängnisvollen Gelübdes opfert Jephtha seine Tochter wie Maiandros seinen Sohn. Simsons Gestalt bietet mannigfach Anlaß zu Vergleichungen; hemerkenswert die Verwandtschaft mit Pterelaos: Pterelaos ist Leben und Sieg durch ein Haar gesichert; dieses Haares beraubt ihn seine Tochter, als er in den Kampf gegen ihren Geliebten zieht. Die weiberlosen Benjaminiden rauben die in Schilo tanzenden Mädchen ähnlich wie die Gefährten des Romulus die Sabinerinnen — das Urteil Salomos wiederholt sich in indischen Ueberlieferungen. Susanna teilt das Schicksal der Inderin Upakosa. Auf Grund von Vorarbeiten untersucht Gunkel (S. 73, 74, 90—93) eingehend das Buch Tobit, dessen Inhalt sich in zwei Teile gliedert. Im ersten Teile wird die Frömmigkeit Tobias geschildert: dem Verbote trotzend bestattet er die von den Heiden erschlagenen Juden. Im zweiten Teil wird dafür der Söhn Tobias, Tobit vom Engel Raphael geleitet, gefördert: Raphael erwirbt ihm die Braut, deren sieben Männer von Aschmodai hinweggerafft worden sind. Auf Grund vielfacher Parallelen kann die ursprüngliche Einheit des Stoffes in folgenden Zügen hergestellt werden: ein pietätsvoller Mann bestattet einen zur Strafe unbe- י• bäura Gonzenbach, Sicilianische Märchen. Leipzig 180ל, II, 17ל, Nr. 89.